Insekten in Japan: Kultur, Natur und Reisewissen für deinen nächsten Trip
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Kaum etwas prägt den japanischen Sommer so sehr wie der Gesang der Zikaden. Dazu kommen Glühwürmchen über Bachläufen, Käfer, die im Kaufhaus verkauft werden, und Grillen, deren Zirpen den Herbst ankündigt. Insekten gehören in Japan zur Jahreszeit wie die Kirschblüte. In diesem Beitrag erfährst du, was du wann hören und sehen kannst, warum das kulturell so wichtig ist und worauf du achten solltest.
Der Sound des Sommers: die Zikaden
Wer im Juli oder August in Japan ankommt, hört sie sofort. Der Lärm ist so laut, dass man sich anfangs fragt, ob irgendwo eine Maschine läuft. Tatsächlich sind es Zikaden, und Japaner unterscheiden die Arten am Klang:
- Aburazemi: klingt wie brutzelndes Öl in der Pfanne, daher der Name. Die häufigste Art in weiten Teilen des Landes.
- Minminzemi: ruft rhythmisch min-min-min, das ist der klassische Hochsommerklang.
- Kumazemi: groß, kräftig und ohrenbetäubend, vor allem im Westen Japans.
- Tsukutsukuboshi: ihr Ruf gilt als Zeichen, dass der Sommer sich dem Ende neigt.
- Higurashi: singt in der Dämmerung, klagend und hell. Für viele Japaner der melancholischste Klang des Jahres, entsprechend oft in Filmen und Literatur verwendet.
Zikaden verbringen mehrere Jahre als Larve im Boden und leben als erwachsene Tiere nur wenige Wochen. Genau das macht sie in der japanischen Dichtung zum Sinnbild der Vergänglichkeit.

Glühwürmchen im Frühsommer
Zwischen etwa Ende Mai und Juli, je nach Region, schweben abends Glühwürmchen über sauberen Bächen. Die beiden bekanntesten Arten sind der größere Genji-Hotaru mit langsamem, kräftigem Leuchten und der kleinere Heike-Hotaru mit schnellerem Blinken. Viele Gemeinden veranstalten eigene Glühwürmchenabende.
Bitte beachte die Regeln, sie sind an solchen Orten ernst gemeint:
- Kein Blitz und keine Taschenlampe. Helles Licht stört die Tiere bei der Partnersuche.
- Leise sein und auf den Wegen bleiben.
- Nicht fangen. Glühwürmchen brauchen sehr sauberes Wasser und sind vielerorts selten geworden.
Käfer als Sommerhelden
Nashornkäfer und Hirschkäfer sind in Japan das, was bei uns vielleicht ein Hamster ist: ein Haustier für Kinder. Im Sommer werden sie lebend in Kaufhäusern, Baumärkten und sogar Supermärkten verkauft, samt Terrarium, Holzspänen und Gelee als Futter. Für europäische Besucher ist das ein echter Kulturschock.
Wer sie in freier Natur sehen will, sucht nachts oder sehr früh am Morgen Eichen und andere Bäume, an denen Saft austritt. Dort sammeln sich die Tiere. Das Fangen mit Netz und Käfig gehört für viele japanische Kinder zum Sommer wie die Hausaufgaben.
Ein Hinweis für Sammler: Lebende Tiere darfst du nicht einfach mit nach Hause nehmen, dafür gelten Einfuhrbestimmungen.

Herbstgrillen
Wenn die Zikaden verstummen, übernehmen die Grillen. Besonders geschätzt wird die Suzumushi, wörtlich Glockengrille, deren feines Zirpen an ein Glöckchen erinnert. Früher wurden sie in kleinen Käfigen gehalten, damit man den Klang im Haus hatte, und noch heute werden sie verkauft.
In der klassischen Dichtung stehen diese Klangbilder für eine ganze Jahreszeit. Wer ein Haiku liest, in dem eine Grille vorkommt, weiß sofort: Es ist Herbst.
Was du sonst noch siehst
- Libellen über Reisfeldern, in großer Zahl und Vielfalt. Sie galten historisch als Glückssymbol, ein alter Name Japans lautet sogar Insel der Libellen.
- Schmetterlinge in Parks und Bergregionen, am aktivsten an warmen, windstillen Tagen.
- Gottesanbeterinnen in Gärten und an Wegrändern, im Spätsommer oft erstaunlich groß.

Womit du vorsichtig sein solltest
Das meiste ist harmlos, zwei Dinge solltest du aber kennen:
- Hornissen: Die japanische Riesenhornisse ist deutlich größer als unsere Hornissen und kann gefährlich werden, besonders im Spätsommer und Herbst, wenn sie ihre Nester verteidigt. Schlag niemals nach ihnen, entferne dich ruhig und ohne hektische Bewegungen. Meide starke Parfüms und dunkle Kleidung beim Wandern.
- Hundertfüßer: Sie kommen in feuchten, warmen Regionen auch in Häuser und können schmerzhaft beißen. Schuhe vor dem Anziehen ausschlagen, wenn du auf dem Land übernachtest.
Gegen Mücken hilft, was überall hilft: Mittel auftragen, abends lange Kleidung tragen und die Insektengitter geschlossen halten. In Japan gibt es zudem überall Anti-Mücken-Produkte zu kaufen, von Sprays bis zu den traditionellen Spiralen aus Zedernholzmehl, die man auf der Veranda abbrennt.
Insekten in der Kultur
Insekten sind in Japan kein Randthema. In der klassischen Dichtung dienen sie als Jahreszeitenwörter, die einem Gedicht ohne weitere Erklärung eine Zeit zuordnen. In Anime und Spielen sind Käfer Helden und Sammelobjekte, eine der erfolgreichsten Spielereihen überhaupt dreht sich um das Fangen von Kreaturen und hat ihren Ursprung genau darin: Der Erfinder sammelte als Kind Insekten.
Häufige Fragen
Wann höre ich die Zikaden? Von etwa Juli bis September, am lautesten im Hochsommer.
Wann sehe ich Glühwürmchen? Je nach Region zwischen Ende Mai und Juli, in der Dämmerung an sauberen Gewässern.
Darf ich Käfer mit nach Hause nehmen? Nein, für lebende Tiere gelten Einfuhrbestimmungen.
Sind japanische Hornissen wirklich gefährlich? Sie sollten ernst genommen werden. Ruhig weggehen, nicht nach ihnen schlagen.
Wo beobachte ich am besten? An Reisfeldern, Waldrändern und Bachläufen, also überall dort, wo es abseits der Stadt grün wird.
Fazit
Insekten sind einer der Schlüssel zur japanischen Naturwahrnehmung. Wer weiß, dass der Ruf der Tsukutsukuboshi das Ende des Sommers ankündigt und die Higurashi in der Dämmerung singt, hört eine Reise plötzlich anders. Und wer im August in einem Kaufhaus vor einem Regal mit lebenden Nashornkäfern steht, hat eine Geschichte für zu Hause.
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