Izumo Taisha: wo Japans Götter zusammenkommen
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Izumo Taisha in der Präfektur Shimane gehört zu den ältesten und bedeutendsten Schreinen Japans. Verehrt wird dort Okuninushi, die Gottheit für Verbindungen zwischen Menschen, weshalb Besucher aus dem ganzen Land herkommen, um für Liebe, Freundschaft und gute Beziehungen zu beten. In diesem Beitrag erfährst du, was diesen Ort besonders macht und worauf du achten solltest.
Der Schrein, zu dem alle Götter reisen
Es gibt eine japanische Eigenheit, die den ganzen Ort erklärt. Der zehnte Monat des alten Mondkalenders heißt in Japan Kannazuki, der Monat ohne Götter. Der Grund: In dieser Zeit sollen sämtliche Gottheiten des Landes ihre Schreine verlassen und sich in Izumo versammeln, um über die Verbindungen zwischen den Menschen im kommenden Jahr zu beraten.
Nur hier heißt derselbe Monat anders, nämlich Kamiarizuki, der Monat mit den Göttern. Zum Auftakt werden die Gottheiten am Strand westlich des Schreins feierlich empfangen und in einer Prozession zum Gelände geleitet. Die Riten ziehen sich über eine Woche.
Nach heutigem Kalender fällt das meist in den November. Wenn dich das interessiert, prüf die Termine des jeweiligen Jahres, sie verschieben sich.

Hier klatschst du viermal
Das ist der wichtigste praktische Hinweis. An japanischen Schreinen klatscht man beim Beten üblicherweise zweimal. In Izumo sind es vier Mal.
Der Ablauf: Münze einwerfen, zweimal tief verbeugen, viermal klatschen, still den Wunsch formulieren, ein letztes Mal verbeugen. Nur eine Handvoll Schreine in Japan machen das so, und niemand nimmt es dir übel, wenn du dich vertust. Wer es weiß, macht es aber richtig.
Alles Weitere zum Verhalten steht in unserem Beitrag zur religiösen Etikette.
Das größte Strohseil Japans
Vor der Tanzhalle hängt das berühmteste Shimenawa des Landes, ein geflochtenes Strohseil, das den Übergang in den heiligen Bereich markiert. Es ist rund 13 Meter lang und wiegt mehrere Tonnen. Alle paar Jahre wird es von Hand erneuert, eine Arbeit, an der ein ganzes Dorf monatelang beteiligt ist.
Davorzustehen ist der Moment, den die meisten Besucher in Erinnerung behalten.

Der Bau, der einmal doppelt so hoch war
Die heutige Haupthalle stammt von 1744, ist rund 24 Meter hoch und damit der höchste Schreinbau Japans. Sie ist seit 1952 als Nationalschatz eingestuft.
Alte Schriften berichteten allerdings von einem Vorgängerbau von fast 50 Metern Höhe, erreichbar über eine lange Treppe. Das galt lange als Legende, bis im Jahr 2000 bei Grabungen tatsächlich die Reste gewaltiger Pfeiler gefunden wurden, jeweils aus drei zusammengebundenen Zedernstämmen. Sie sind heute im Museum nebenan zu sehen, zusammen mit einem Modell des vermuteten Baus. Wer Zeit hat, sollte dort hineingehen, es macht die Dimension erst begreifbar.
Zur Erwartung: Die Haupthalle selbst kannst du nicht betreten, du betest an der davorliegenden Halle. Das ist an bedeutenden Schreinen üblich.
Warum überall Hasen stehen
Auf dem Gelände entdeckst du überall kleine Hasenfiguren, manche beten, manche lesen. Sie gehen auf eine der bekanntesten Sagen Japans zurück: Ein Hase wurde von Krokodilen gehäutet und lag leidend am Strand. Mehrere vorüberziehende Götter gaben ihm falsche Ratschläge, die alles schlimmer machten. Erst Okuninushi zeigte ihm, wie er sich heilen konnte. Zum Dank sagte der Hase ihm voraus, dass er die Frau gewinnen würde, um die alle warben.
Seitdem stehen Hase und Gottheit für Mitgefühl, Heilung und gute Verbindungen. Die Figuren sind ein beliebtes Fotomotiv, und die Hasen tauchen auch in den Souvenirs der Umgebung auf.

Was du dir ansehen solltest
- Der Zuweg: Er führt als einer der wenigen in Japan bergab statt bergauf, gesäumt von Kiefern.
- Die Haupthalle im uralten Baustil, den es nur an wenigen Schreinen gibt.
- Die Tanzhalle mit dem großen Strohseil.
- Die Ladenstraße vor dem Haupttor, mit Soba, Süßem und Hasen-Souvenirs.
- Der Strand Inasa-no-hama rund einen Kilometer westlich, mit einem kleinen Torii auf einem Felsen im Sand. Dort werden die Götter empfangen, und der Sonnenuntergang ist grandios.


Izumo-Soba
Die Region ist berühmt für ihre dunklen Buchweizennudeln, bei denen die Schale mitvermahlen wird. Serviert werden sie traditionell in drei gestapelten runden Schalen, in die du die Sauce nach und nach gießst. Auf der Ladenstraße vor dem Schrein gibt es mehrere gute Adressen.

Anreise und Praktisches
- Mit der Bahn: bis Izumoshi, von dort mit der Regionalbahn bis zur Station am Schrein oder mit dem Bus.
- Von Matsue sind es rund eine Stunde, das lässt sich gut verbinden.
- Mit dem Flugzeug nach Izumo, von dort mit dem Bus weiter.
- Eintritt: kostenlos. Das Gelände ist von frühmorgens bis abends zugänglich.
- Zeitbedarf: ein bis zwei Stunden für den Schrein, mit Museum, Ladenstraße und Strand ein halber Tag.
Häufige Fragen zu Izumo Taisha
Warum klatscht man hier viermal? Es ist eine örtliche Besonderheit, die nur wenige Schreine in Japan teilen.
Kostet der Besuch Eintritt? Nein, das Gelände ist frei zugänglich.
Kann ich die Haupthalle betreten? Nein, gebetet wird an der Halle davor.
Wann versammeln sich die Götter? Im zehnten Monat des alten Mondkalenders, heute meist im November. Die Termine wechseln jährlich.
Was muss ich essen? Izumo-Soba, die dunklen Buchweizennudeln in drei gestapelten Schalen.
Fazit
Izumo Taisha ist einer der wenigen Orte, an denen japanische Mythologie noch sehr gegenwärtig ist. Ein Schrein, zu dem der Vorstellung nach einmal im Jahr alle Götter des Landes reisen, ein Strohseil von mehreren Tonnen, Hasen zwischen den Bäumen und ein Zuweg, der bergab führt. Wer in Shimane ist, sollte hier auf keinen Fall vorbeifahren. Und denk dran: viermal klatschen.
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