Kanazawa erleben: Geisha-Gassen, Gold-Eis und Design-Kunst
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Der zweite Tag in Kanazawa begann mit Sonnenschein, und den haben wir genutzt: Geisha-Viertel, moderne Kunst, Goldblatt und noch einmal der Kenroku-en. Wenn du Teil 1 mit Markt, Burg und Garten noch nicht gelesen hast, fängst du am besten dort an.
Frühstück im Café Tamon
Gestartet sind wir im Café Tamon, einem kleinen, stilvoll eingerichteten Lokal mit gutem Kaffee und abwechslungsreichem Frühstück. Ein Hinweis für Japan allgemein: Cafés öffnen oft erst gegen 8 oder 9 Uhr. Wer sehr früh unterwegs ist, findet im Konbini den zuverlässigeren Start.


Der Utasu-Schrein
Direkt nebenan liegt der Utasu-Schrein, größer als es von der Straße wirkt und angenehm ruhig. Ein Treppenweg führt den Hang hinauf, oben öffnet sich der Blick über die Stadt. Ein guter, stiller Auftakt, bevor es in die Gassen geht.


Das Geisha-Viertel Higashi Chaya
Wenige Minuten zu Fuß liegt Higashi Chaya, das größte der drei erhaltenen Teehausviertel Kanazawas. Die zweistöckigen Holzhäuser mit ihren feinen Gitterfassaden stammen aus der Edo-Zeit, dahinter arbeiten bis heute Geiko, wie die Geisha hier heißen.
Praktisches für den Besuch:
- Zwei historische Teehäuser kannst du gegen einen kleinen Eintritt von innen besichtigen, sonst bleiben die Häuser privat.
- Am ruhigsten ist es vor 10 Uhr, ab dem Vormittag wird die Hauptgasse voll.
- Fotografiere keine Menschen in Kimono ungefragt, viele davon sind ohnehin Reisende in Leihkleidung.
- Ruhiger und fast genauso schön sind die kleineren Viertel Kazuemachi am Fluss und Nishi Chaya auf der anderen Stadtseite.
In den Gassen findest du Geschäfte mit handgemachten Süßigkeiten, Keramik und vor allem Blattgold. Das ist keine Deko-Idee, sondern Kanazawas wichtigstes Handwerk: Nahezu das gesamte japanische Blattgold wird hier hergestellt, in Werkstätten, die es auf eine Dicke von wenigen Zehntausendstel Millimetern schlagen.

21st Century Museum of Contemporary Art
Am Nachmittag ging es ins 21st Century Museum, einen runden, komplett verglasten Bau ohne Vorder- oder Rückseite. Innen wartet zeitgenössische Kunst zum Anfassen und Ausprobieren.
Das bekannteste Werk ist der Swimming Pool von Leandro Erlich: Von oben sieht es aus, als stünden Menschen unter Wasser. Zwei Dinge solltest du wissen: Der Blick von oben in das Becken ist kostenlos, in den Raum darunter kommst du nur mit Ticket, und diese Zeitfenster sind oft schon ausgebucht. Buche also vorab. Montags ist das Museum in der Regel geschlossen.

Goldblatt-Eis: ehrlich gesagt
Danach haben wir uns das berühmte Goldblatt-Eis gegönnt, bei dem ein ganzes Blatt Gold auf die Waffel gelegt wird. Unser ehrliches Fazit: optisch spektakulär, geschmacklich passiert nichts, denn Gold schmeckt nach nichts. Der Preis ist klar touristisch kalkuliert. Als Foto und einmalige Erfahrung nett, als Genuss verzichtbar.

Noch einmal Kenroku-en
Weil das Wetter endlich mitspielte, sind wir noch einmal in den Kenroku-en, den wir am Vortag im Regen nur gestreift hatten. Das war goldrichtig: Bei Sonne zeigt sich der Garten in voller Pracht, mit gespiegelten Teichen, alten Kiefern und ruhigen Wegen. Wenn du kannst, plane ihn für den frühen Morgen ein, dann ist er fast leer.


Abendessen mit Shabu Shabu
Zum Abschluss gab es Shabu Shabu, das japanische Fondue, bei dem du dünne Fleischscheiben und Gemüse selbst in heißer Brühe garst. Der Name kommt vom Geräusch, das dabei entsteht. Dazu gibt es zwei Saucen, eine mit Sesam und eine mit Ponzu. Nach einem langen Tag genau das Richtige.

Wenn du mehr Zeit hast
- Nagamachi: das alte Samuraiviertel mit Lehmmauern und Wasserkanälen, ein Wohnhaus ist als Museum zugänglich.
- D.T.-Suzuki-Museum: ein minimalistischer Bau mit Wasserbecken, gewidmet dem Philosophen, der den Zen im Westen bekannt machte.
- Halbinsel Noto: nördlich der Stadt, landschaftlich großartig. Sie wurde im Januar 2024 von einem schweren Erdbeben getroffen, der Wiederaufbau läuft. Informiere dich vor einem Ausflug über die aktuelle Lage vor Ort. Kanazawa selbst ist regulär bereisbar.
Häufige Fragen zum zweiten Tag
Kann ich in Higashi Chaya Geiko sehen? Eher selten und meist am frühen Abend. Die Teehäuser selbst nehmen keine unbekannten Gäste an, zwei historische Häuser kannst du aber besichtigen.
Muss ich das 21st Century Museum vorab buchen? Für den Swimming Pool ja. Die frei zugänglichen Bereiche kannst du spontan ansehen, montags ist meist geschlossen.
Lohnt sich das Goldblatt-Eis? Als Erlebnis ja, geschmacklich nein. Gold ist geschmacksneutral.
Wie viel Zeit brauche ich für Higashi Chaya? Ein bis zwei Stunden mit Bummeln reichen gut.
Was mache ich bei Regen? Museen, Teehäuser von innen, Kunsthandwerk-Werkstätten und die Restaurantetagen der Kaufhäuser.
Fazit zum zweiten Tag
Kanazawa verbindet altes Handwerk und moderne Kunst so selbstverständlich wie kaum eine andere Stadt Japans. Ein stiller Schrein am Morgen, ein Geisha-Viertel am Vormittag, ein Glasbau voller Gegenwartskunst am Nachmittag und abends ein Topf mit heißer Brühe. Genau diese Mischung macht zwei Tage hier so lohnend.
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