Tagesausflug nach Nara: Rehe, Tempel und Tradition

Tagesausflug nach Nara: Rehe, Tempel und Tradition

Nara war im 8. Jahrhundert die erste feste Hauptstadt Japans und ist heute vor allem für zwei Dinge bekannt: einen der größten Bronze-Buddhas der Welt und hunderte frei lebende Hirsche mitten in der Stadt. Von Osaka oder Kyoto ist die Stadt in etwa einer Stunde erreichbar und damit der perfekte Tagesausflug. Hier findest du die Highlights, die Preise und die Dinge, die du vorher wissen solltest.

Anreise nach Nara

  • Von Osaka: mit der JR ab Osaka Station rund 50 bis 60 Minuten bis JR Nara, mit der Kintetsu-Bahn ab Osaka-Namba etwa 40 Minuten bis Kintetsu Nara.
  • Von Kyoto: mit der JR Nara-Linie rund 45 bis 75 Minuten je nach Zugart, mit der Kintetsu-Bahn ab Kyoto Station knapp 45 Minuten.
  • Wichtig für die Wahl: Kintetsu Nara liegt deutlich näher am Park, von dort sind es nur wenige Gehminuten. Ab JR Nara läufst du rund 20 Minuten oder nimmst den Rundbus.

Mit dem Japan Rail Pass fährst du die JR-Strecken kostenlos, die Kintetsu-Linien nicht.

Der Nara-Park und seine Hirsche

Im Nara-Park leben mehr als tausend Sikahirsche frei zwischen Tempeln und Wiesen. Sie gelten als Boten der Gottheiten und stehen als Naturdenkmal unter Schutz. Füttern darfst du sie mit den eigens dafür verkauften Reiscrackern, den Shika Senbei, die es an Ständen für rund 200 Yen gibt.

Ein hübsches Detail: Viele Tiere haben gelernt, sich zu verbeugen, wenn du dich vor ihnen verbeugst. Das ist kein Trick der Stadt, sondern angelerntes Verhalten für Futter.

Was du unbedingt beachten solltest:

  • Es sind Wildtiere, keine Streicheltiere. Jedes Jahr kommt es zu Bissen und Stößen, meist weil jemand die Cracker zu lange hochhält oder die Tiere neckt.
  • Wenn du fütterst, gib die Cracker zügig ab und zeig danach die leeren Hände, das verstehen die Tiere.
  • Gib ihnen nichts anderes zu fressen. Menschliche Snacks schaden ihnen, und Plastiktüten sind lebensgefährlich, weil sie verschluckt werden.
  • Pass auf Papier auf: Karten, Tickets und Papiertüten werden gern gefressen.
  • Im Herbst ist Brunftzeit, dann sind die Böcke unberechenbarer. Halte mehr Abstand, besonders mit kleinen Kindern.

Freilaufende Hirsche im Nara-ParkSikahirsch im Nara-Park

Mochi frisch gestampft

Ein Erlebnis für sich ist das Mochi-Stampfen in der Einkaufsstraße: Zwei Männer arbeiten im Sekundentakt, einer schlägt mit dem großen Holzhammer in den Mörser, der andere wendet den Teig mit bloßen Händen dazwischen. Das Ergebnis bekommst du warm in die Hand, meist mit Yomogi, also Beißuß, gefärbt und mit süßer Bohnenpaste gefüllt.

Die Vorführungen finden mehrmals täglich statt, feste Zeiten gibt es nicht. Wenn sich eine Traube bildet, ist gleich Vorstellung.

Handgemachtes Mochi in NaraFrisch gestampftes MochiMochi mit süßer Füllung

Todai-ji und der große Buddha

Der Todai-ji ist das Wahrzeichen der Stadt. Durch das gewaltige Nandaimon-Tor mit seinen beiden Wächterfiguren gelangst du zur Daibutsu-Halle, einem der größten Holzgebäude der Welt. Darin sitzt der Daibutsu, ein rund 15 Meter hoher Buddha aus Bronze, gegossen im 8. Jahrhundert.

Zwei Dinge, die viele übersehen:

  • In einer der Holzsäulen hinter dem Buddha steckt ein Loch, das genauso groß ist wie ein Nasenloch der Statue. Wer hindurchpasst, dem soll Glück beschieden sein. Kinder schaffen es mühelos, Erwachsene selten.
  • Ein Stück den Hang hinauf liegt die Halle Nigatsudo. Der Aufstieg ist kostenlos, und von der Holzterrasse hast du den schönsten Blick über Nara, besonders am späten Nachmittag.

Der Eintritt zur Daibutsu-Halle liegt bei rund 800 Yen für Erwachsene, geöffnet ist je nach Saison etwa von 8 bis 17 Uhr.

Der große bronzene Buddha im Todai-jiDie Daibutsu-Halle des Todai-jiTempelgelände des Todai-ji

Kofuku-ji: Pagode derzeit eingehüllt

Der Kofuku-ji war der Haustempel des mächtigen Fujiwara-Clans und liegt nur fünf Gehminuten von Kintetsu Nara entfernt.

Wichtig für deine Erwartung: Die berühmte fünfstöckige Pagode, mit 50 Metern die zweithöchste Holzpagode Japans, wird seit Juli 2023 umfassend saniert. Es ist die erste große Instandsetzung seit rund 120 Jahren, und die Arbeiten sollen bis in die 2030er Jahre dauern. Solange ist die Pagode vollständig eingehüllt und nicht zu sehen. Ältere Reisefotos, auch die in diesem Beitrag, zeigen den Zustand davor.

Lohnend bleibt der Tempel trotzdem:

  • Das Gelände ist rund um die Uhr frei zugänglich.
  • Im Nationalschatz-Museum steht die Ashura-Statue, eine der berühmtesten buddhistischen Skulpturen Japans, dreigesichtig und erstaunlich jugendlich im Ausdruck.
  • Die Zentrale Goldene Halle wurde erst vor wenigen Jahren rekonstruiert und leuchtet entsprechend frisch.

Eintritt: rund 900 Yen für das Museum, je 500 Yen für die beiden Hallen, ein Kombiticket kostet etwa 1.600 Yen. Innenräume geöffnet von 9 bis 17 Uhr.

Halle des Kofuku-ji-TempelsDie fünfstöckige Pagode des Kofuku-ji vor der Sanierung

Kasuga-Taisha: der Laternenschrein

Etwas weiter östlich, am Rand eines uralten Waldes, liegt der Kasuga-Taisha, der Schrein des Fujiwara-Clans und Teil des UNESCO-Welterbes. Berühmt ist er für seine Laternen: rund tausend bronzene hängen unter den Dächern, fast zweitausend steinerne säumen die Zuwege. Gestiftet wurden sie über Jahrhunderte von Gläubigen.

Der äußere Bereich ist kostenlos, für den inneren Bereich zahlst du einen kleinen Eintritt. Zweimal im Jahr, im Februar und im August, werden alle Laternen angezündet, das ist der schönste Zeitpunkt für einen Besuch.

Naramachi: das alte Handelsviertel

Südlich des Parks liegt Naramachi mit engen Gassen und schmalen Kaufmannshäusern aus der Edo-Zeit, in denen heute Cafés, Handwerksläden und kleine Museen untergebracht sind. Achte auf die roten Stoffkugeln, die an vielen Eingängen hängen: Sie sollen Unheil abwenden.

Praktische Tipps für den Tag

  • Viele Tempel und kleine Museen nehmen nur Bargeld. Heb vorher ab.
  • Ein halber Tag reicht für Park und Todai-ji, ein ganzer für alles inklusive Kasuga-Taisha und Naramachi.
  • Komm früh. Vor 9 Uhr gehört der Park fast dir allein, ab zehn kommen die Reisegruppen aus Kyoto und Osaka.
  • Die Wege sind weitläufig, zieh bequeme Schuhe an.

Häufige Fragen zu Nara

Sind die Hirsche gefährlich? Sie sind wild, aber an Menschen gewöhnt. Wer die Cracker zügig abgibt und die Tiere nicht neckt, hat keine Probleme.

Kann ich die Pagode des Kofuku-ji sehen? Derzeit nicht, sie ist wegen der Sanierung eingehüllt. Das Gelände und die anderen Hallen sind zugänglich.

Welcher Bahnhof ist besser? Kintetsu Nara, er liegt deutlich näher am Park. Mit dem JR Pass fährst du dafür nach JR Nara kostenlos.

Reicht ein Tagesausflug? Ja, gut sogar. Wer die Abendstimmung im Park erleben will, bleibt eine Nacht.

Was kostet der Tag? Rund 800 Yen für den Todai-ji, dazu je nach Interesse Kofuku-ji und Kasuga-Taisha, plus Fahrtkosten. Der Park selbst ist kostenlos.

Fazit

Nara ist einer der wenigen Orte, an denen Geschichte und Alltag so nah beieinanderliegen: ein Buddha aus dem 8. Jahrhundert, ein Laternenschrein im Urwald und dazwischen Hirsche, die sich vor dir verbeugen. Wer in Kyoto oder Osaka ist, sollte einen Tag dafür einplanen. Und wer früh aufsteht, bekommt das alles fast für sich.

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