Uji: Die Teestadt bei Kyoto

Uji: Die Teestadt bei Kyoto

Eine halbe Stunde südlich von Kyoto liegt Uji, und für alle, die japanischen Tee mögen, ist das ein besonderer Ort: Von hier stammt der berühmteste Matcha Japans. Dazu kommen ein Tempel, der auf der 10-Yen-Münze abgebildet ist, das älteste erhaltene Schreingebäude des Landes und ein Fluss, an dem sich sehr gut spazieren lässt. In diesem Beitrag erfährst du, was Uji ausmacht und wie du dort guten Tee kaufst.

Warum ausgerechnet hier

Uji liegt in einer hügeligen Landschaft zwischen zwei Flüssen. Morgennebel, hohe Luftfeuchtigkeit und große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht ergeben genau die Bedingungen, die Teepflanzen langsam wachsen lassen. Langsames Wachstum bedeutet mehr Aroma.

Tee wird hier seit dem 13. Jahrhundert angebaut, und über Jahrhunderte war Uji-Tee dem Adel und den Kriegerfamilien vorbehalten. In dieser Region wurden auch die Verfahren entwickelt, die den japanischen Tee bis heute prägen.

Teeladen mit Matcha und Grüntee in Uji

Was Beschattung bewirkt

Das ist der Kern der ganzen Sache. Einige Wochen vor der Ernte werden die Teefelder mit Netzen oder Matten abgedeckt, sodass nur noch ein Bruchteil des Lichts durchkommt.

Die Pflanze reagiert darauf messbar:

  • Sie bildet mehr Blattgrün, um das wenige Licht zu nutzen, daher die tiefgrüne Farbe.
  • Sie reichert mehr von der Aminosäure Theanin an, die für den vollen, leicht süßlichen Umami-Geschmack sorgt.
  • Gleichzeitig bildet sie weniger Bitterstoffe.

Deshalb schmeckt beschatteter Tee mild und vollmundig statt herb. Ohne dieses Verfahren gäbe es weder Matcha noch Gyokuro in der Form, wie wir sie kennen.

Matcha, Gyokuro, Sencha: der Unterschied

Alle drei stammen von derselben Pflanze. Der Unterschied liegt in Beschattung und Verarbeitung:

  • Sencha wächst in vollem Sonnenlicht, wird gedämpft und gerollt. Frisch, herb, das Alltagsgetränk Japans.
  • Gyokuro wird mehrere Wochen beschattet und ebenfalls gerollt. Sehr mild, süßlich, deutlich teurer.
  • Matcha entsteht aus beschattetem Tee, der nicht gerollt, sondern flach getrocknet wird. Anschließend entfernt man Stiele und Blattadern und mahlt die Blätter auf Steinmühlen zu feinem Pulver. Eine Mühle schafft dabei nur wenige Dutzend Gramm pro Stunde, deshalb ist guter Matcha teuer.

Beim Matcha trinkst du also das ganze Blatt, bei den anderen nur den Aufguss. Das erklärt die kräftige Farbe und den intensiven Geschmack.

Tee kaufen in Uji

In der Ladenstraße reihen sich Teehäuser aneinander, viele mahlen ihren Matcha vor Ort. Ein paar Hinweise, damit du gut einkaufst:

  • Zwei Qualitätsstufen: Matcha zum Trinken ist feiner und teurer, Matcha zum Backen und für Milchgetränke kräftiger und günstiger. Sag im Laden, wofür du ihn willst.
  • Kleine Dosen kaufen: Matcha verliert nach dem Öffnen schnell Aroma. 20 bis 40 Gramm sind eine sinnvolle Menge.
  • Kühl, dunkel und luftdicht lagern, am besten im Kühlschrank, und vor dem Öffnen auf Raumtemperatur bringen, damit sich kein Kondenswasser bildet.
  • Nicht mit kochendem Wasser aufgießen. Rund 70 bis 80 Grad reichen, sonst wird er bitter.
  • Eines der Teehäuser an der Brücke besteht seit 1160 und gehört damit zu den ältesten durchgehend geführten Betrieben der Welt.

Der Tempel auf der Münze

Der Byodo-in ist das Wahrzeichen der Stadt. Die Phoenixhalle wurde 1053 erbaut und gehört zu den ganz wenigen Bauwerken, die aus dieser Epoche erhalten sind.

Sie steht auf einer Insel in einem Teich, und das ist Absicht: Die Halle sollte den Palast im Paradies des Buddha Amida darstellen, und die Spiegelung im Wasser gehört zur Inszenierung dazu. Wer davorsteht, sieht ein Gebäude, das entworfen wurde, um wie ein Bild aus dem Jenseits zu wirken.

Zwei Details: Die Halle ist auf der Vorderseite der 10-Yen-Münze abgebildet, und die vergoldeten Phoenixfiguren auf dem Dach findest du auf dem 10.000-Yen-Schein. Du hast dieses Gebäude in Japan also ständig in der Tasche.

  • Eintritt rund 700 Yen für Gelände und Museum, der Innenraum der Halle kostet extra und hat begrenzte Einlasszeiten.
  • Das moderne Museum daneben zeigt die originalen Figuren und Verzierungen.

Der Phoenix-Pavillon des Byodo-in spiegelt sich im Teich

Das älteste Schreingebäude Japans

Auf der anderen Flussseite liegt der Ujigami-Schrein, ein kleiner, unscheinbarer Bau im Wald. Sein Hauptgebäude stammt aus dem 11. Jahrhundert und ist damit das älteste erhaltene Schreingebäude des Landes.

Man könnte daran vorbeilaufen, ohne es zu bemerken. Genau das macht den Reiz aus. Der Zutritt ist frei, und gemeinsam mit dem Byodo-in gehört der Schrein zum Welterbe.

Uji in der Literatur

Die letzten zehn Kapitel des Genji Monogatari, des berühmtesten Werks der klassischen japanischen Literatur aus dem 11. Jahrhundert, spielen in Uji. Für japanische Leser ist die Stadt damit ein literarischer Ort ersten Ranges, vergleichbar mit einem Schauplatz aus einem Nationalepos.

Ein eigenes Museum in Uji widmet sich dem Werk, und am Flussufer stehen Figuren und Tafeln, die auf die Handlung verweisen.

Der Fluss und die Brücke

Der Uji-gawa zieht sich durch die Stadt und eignet sich gut für einen Spaziergang. Die große Brücke wurde der Überlieferung nach bereits im 7. Jahrhundert erstmals gebaut und zählt damit zu den ältesten Brückenstandorten Japans.

Im Sommer gibt es Bootsfahrten und traditionellen Kormoranfischfang, im Herbst leuchten die Ufer rot. Auf der Flussinsel stehen Pagoden und Kirschbäume.

Der Fluss Uji-gawa mit Brücke und Uferweg

Was du essen solltest

  • Matcha-Softeis: der Klassiker, es gibt ihn in mehreren Intensitätsstufen.
  • Matcha-Parfait mit Eis, Gelee, Bohnenpaste und Mochi.
  • Chasoba: grüne Buchweizennudeln mit Matcha im Teig.
  • Ein Teeset im Teehaus: eine Schale aufgeschlagener Matcha mit einer kleinen, bewusst dezenten Süßigkeit dazu. In manchen Häusern darfst du selbst zum Bambusbesen greifen.
  • Kalter Grüntee für den Spaziergang.

Matcha-Softeis und Matcha-Süßigkeiten aus Uji

Ein Tag in Uji

  1. Mit der Bahn ab Kyoto in 20 bis 30 Minuten.
  2. Vormittags zum Byodo-in, dann ist es am ruhigsten.
  3. Über die Brücke zum Ujigami-Schrein und am Ufer entlang.
  4. Mittags Chasoba oder ein Teeset.
  5. Nachmittags durch die Ladenstraße und Tee einkaufen.

Wer noch Zeit hat: In Uji steht seit 2024 auch das Nintendo Museum. Dafür brauchst du allerdings ein vorab gebuchtes Ticket.

Häufige Fragen zu Uji

Wie komme ich hin? Mit der Bahn ab Kyoto in 20 bis 30 Minuten, mehrere Linien fahren dorthin.

Warum ist Matcha aus Uji so teuer? Wegen der wochenlangen Beschattung, der aufwendigen Verarbeitung und des langsamen Mahlens auf Steinmühlen.

Welchen Matcha soll ich kaufen? Zum Trinken die feinere Qualität, zum Backen und für Milchgetränke die kräftigere. Kleine Dosen nehmen und kühl lagern.

Was kostet der Byodo-in? Rund 700 Yen für Gelände und Museum, der Innenraum der Halle kostet extra.

Reicht ein halber Tag? Für Tempel, Schrein und eine Teepause ja. Mit Museum, Fluss und Einkauf wird ein ganzer Tag daraus.

Fazit

Uji ist der Ort, an dem japanischer Tee zu dem wurde, was er heute ist. Dazu kommt ein Tempel, der seit fast tausend Jahren steht und den du auf jeder 10-Yen-Münze in der Hand hältst, das älteste Schreingebäude des Landes und ein Fluss mit Kirschbäumen. Wer sich für Matcha interessiert, sollte diesen Tagesausflug nicht auslassen, und danach weiß er auch, warum guter Matcha kostet, was er kostet.

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