Unentdecktes Japan: Ein Reisebericht aus der Präfektur Fukushima

Unentdecktes Japan: Ein Reisebericht aus der Präfektur Fukushima

Wenn man an Fukushima denkt, fällt vielen zuerst der 11. März 2011 ein. Dabei ist Fukushima eine der größten Präfekturen Japans, mit Bergen, Seen, einer Burgstadt voller Samurai-Geschichte und einer der besten Sake-Regionen des Landes. In diesem Beitrag nehmen wir dich mit auf unsere Reise und beantworten vorweg die Frage, die sich die meisten stellen.

Wie ist die Lage heute?

Fukushima ist mit rund 13.800 Quadratkilometern die drittgrößte Präfektur Japans. Das havarierte Kraftwerk liegt an der Pazifikküste im Osten, während die Ziele dieses Berichts im Westen liegen, durch Bergketten getrennt und rund hundert Kilometer entfernt.

  • Der weitaus größte Teil der Präfektur ist uneingeschränkt bereisbar. Die Messwerte in Städten wie Fukushima, Koriyama oder Aizu-Wakamatsu liegen nach offiziellen Angaben im Bereich anderer Großstädte weltweit.
  • In unmittelbarer Nähe des Kraftwerks besteht weiterhin ein Sperrgebiet mit eingeschränktem Zugang. Mehrere umliegende Orte wurden inzwischen schrittweise wieder freigegeben.
  • Lebensmittel aus der Region werden umfangreich kontrolliert und in ganz Japan verkauft.
  • Wer sich mit dem Thema befassen möchte: In Futaba an der Küste gibt es ein Museum, das Erdbeben, Tsunami und Reaktorunfall dokumentiert.

Kurz gesagt: Eine Reise in den Westen der Präfektur ist so normal wie eine Reise nach Nagano. Wer das im Hinterkopf hat, kann sich ganz auf die Landschaft konzentrieren.

Anreise

  • Mit dem Tohoku-Shinkansen ab Tokio nach Koriyama oder Fukushima, rund anderthalb Stunden.
  • Weiter mit der JR Ban'etsu-West-Linie nach Aizu-Wakamatsu, etwa eine gute Stunde.
  • Für die Umgebung lohnt sich ein Mietwagen, viele Ziele liegen abseits der Bahnlinien. Denk daran, dass Deutsche in Japan ihren nationalen Führerschein mit offizieller japanischer Übersetzung brauchen.

Aizu-Wakamatsu und die Burg Tsuruga

Wir sind abends angekommen und haben uns zuerst in einer kleinen Konditorei ein Stück Kuchen gegönnt, das wirklich ausgezeichnet war. Danach ging es zur Burg, die auch im Dunkeln beleuchtet ein schönes Bild abgibt.

Stück Kuchen in einer Konditorei in Aizu-WakamatsuBeleuchtete Burg Tsuruga in Aizu-Wakamatsu bei Nacht

Die Burg heißt eigentlich Tsuruga-jo und ist eine Besonderheit: Sie trägt als einzige Burg Japans rote Dachziegel, nachempfunden dem historischen Zustand. Aizu war im Boshin-Krieg 1868 Schauplatz erbitterter Kämpfe, bekannt ist vor allem die Geschichte der Byakkotai, einer Einheit sehr junger Samurai. Der Innenbereich ist heute ein Museum, oben hast du einen Rundblick über die Ebene.

Zwei kulinarische Hinweise für Aizu: Probier den Sauce-Katsudon, ein paniertes Schnitzel auf Reis mit dunkler Sauce, und nimm dir einen Akabeko mit, die rote Kuh aus Pappmasché mit wackelndem Kopf, das traditionelle Glücksmitbringsel der Region.

Ouchi-juku, ein Dorf wie vor 300 Jahren

Am nächsten Morgen sind wir mit dem Mietwagen nach Shimogo gefahren. Dort liegt Ouchi-juku, eine ehemalige Poststation an einer alten Handelsstraße, deren strohgedeckte Häuser entlang einer unbefestigten Straße erhalten geblieben sind. Heute sind darin Teehäuser, kleine Restaurants und Läden untergebracht.

Die Spezialität heißt Negi-Soba: Buchweizennudeln, die du nicht mit Stäbchen isst, sondern mit einer ganzen Lauchstange, von der du zwischendurch abbeißen kannst.

Praktische Tipps:

  • Vom kleinen Aussichtspunkt am Ende der Straße hast du den klassischen Blick über die Dächer.
  • Am ruhigsten ist es vor 10 Uhr, mittags kommen die Reisebusse.
  • Im Winter liegt hier viel Schnee, dann gibt es ein Lichterfest. Die Anfahrt braucht dann Winterreifen.
  • Ganz in der Nähe liegt To-no-Hetsuri, eine bizarre Felsformation am Fluss, die sich gut mit dem Dorf verbinden lässt.

Landschaft bei ShimogoStrohgedeckte Häuser in Ouchi-jukuHistorische Straße in Ouchi-juku

Wälder, Schreine und Seen

Nach dem Essen ging es an einem Stausee vorbei zum Okitsushima-Schrein, der tief im Wald liegt. Beeindruckend sind vor allem die alten Bäume rundherum, viele schätzungsweise 25 bis 30 Meter hoch. Ein Ort, an dem man automatisch leiser wird.

Riesige Bäume am Okitsushima-SchreinDer Okitsushima-Schrein im Wald

Danach der Inawashiro-See, der viertgrößte See Japans, an dem am Wochenende Familien zelten und grillen. Im Winter sind die Hänge ringsum ein beliebtes Skigebiet, eine gute Gelegenheit, einmal in Japan Ski zu fahren. Gegessen haben wir im Restaurant Fika direkt am Wasser, sehr zu empfehlen.

Der Inawashiro-See in FukushimaRestaurant Fika am Inawashiro-See

Zum Abschluss fuhren wir zum Hibara-See in der Region Urabandai, die 1888 durch einen Vulkanausbruch entstand. Damals verschob eine Schlammlawine ganze Täler und staute Bäche zu hunderten Seen auf. Ein kleines Naturschutzgebiet am Sumpf Rengenuma ist frei zugänglich, wie überhaupt vieles in der Gegend nichts kostet.

Wenn du mehr Zeit hast: Ganz in der Nähe liegen die Goshiki-numa, die fünf farbigen Seen, deren Wasser je nach Mineralgehalt türkis, grün oder rot schimmert. Ein Rundweg von rund vier Kilometern verbindet sie.

Der Hibara-See in der Region UrabandaiNaturschutzgebiet am Sumpf RengenumaNatur rund um den Hibara-See

Zum Thema Bären

An vielen Wegen stehen Warnschilder, und das hat einen Grund: In den Bergregionen Japans leben Schwarzbären, Begegnungen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Ernst nehmen, aber nicht davon abhalten lassen:

  • Mach dich bemerkbar, viele Wanderer tragen eine kleine Glocke am Rucksack.
  • Meide Dämmerung und frühen Morgen für einsame Wege.
  • Lass keine Essensreste liegen.
  • Halte dich an Absperrungen, sie stehen dort nicht ohne Anlass.

Essen und Trinken aus Fukushima

  • Sake: Fukushima gehört zu den angesehensten Sake-Regionen Japans und stellte beim nationalen Wettbewerb jahrelang die meisten prämierten Brauereien. In Aizu kannst du mehrere Brauereien besichtigen.
  • Kitakata-Ramen: aus der Nachbarstadt Kitakata, mit breiten, gewellten Nudeln in klarer Brühe. Sie zählen zu den bekanntesten Ramen des Landes, traditionell isst man sie dort zum Frühstück.
  • Pfirsiche: Fukushima ist eine der wichtigsten Anbauregionen Japans, im Sommer gibt es sie überall, auch als Saft und Eis.
  • Wappa-Meshi: gedämpfter Reis mit Einlage, serviert in einem runden Spanschachtelgefäß.

Häufige Fragen zu Fukushima

Ist eine Reise nach Fukushima sicher? Der weitaus größte Teil der Präfektur ist normal bereisbar, die Messwerte entsprechen dort denen anderer Großstädte. Nur rund um das Kraftwerk gibt es weiterhin Zugangsbeschränkungen.

Wie komme ich hin? Mit dem Shinkansen ab Tokio in etwa anderthalb Stunden, weiter mit der Regionalbahn nach Aizu-Wakamatsu.

Brauche ich ein Auto? Für die Städte nicht, für Ouchi-juku, die Seen und die Berge sehr wohl.

Wann ist die beste Reisezeit? Herbst wegen der Laubfärbung, Sommer für die Seen, Winter für Schnee und Ski.

Wie viele Tage sollte ich einplanen? Zwei bis drei, dann bekommst du Burgstadt, Dorf und Seenlandschaft in Ruhe unter.

Fazit

Fukushima hat uns überrascht: eine Burg mit roten Ziegeln, ein Dorf, das aussieht wie vor dreihundert Jahren, stille Wälder, große Seen und dazu hervorragender Sake. Wer Japan abseits der üblichen Route sucht und bereit ist, einen Mietwagen zu nehmen, findet hier eine der lohnendsten Regionen des Landes.

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