Matsue-Reiseguide für Genießer und Entdecker

Matsue-Reiseguide für Genießer und Entdecker

Matsue liegt in der Präfektur Shimane an der ruhigen Nordküste Honshus, zwischen einem großen See und einer Lagune. Das Tempo ist gelassen, die Stadt ist von Kanälen durchzogen, und sie hat etwas, das nur zwölf Orte in Japan haben: eine Burg, deren Hauptturm noch das Original ist. In diesem Beitrag erfährst du, was Matsue ausmacht und wie du hinkommst.

Warum die Burg besonders ist

Von den einst hunderten japanischen Burgen haben nur zwölf ihren originalen Hauptturm aus der Edo-Zeit behalten, alle anderen sind Rekonstruktionen. Fünf dieser zwölf sind als Nationalschatz eingestuft, und Matsue gehört seit 2015 dazu.

Der Bau stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert und besteht aus dunklem Holz mit schwarzen Dachschindeln, daher der Beiname schwarze Burg. Wegen der geschwungenen Dächer, die an die Flügel eines Regenpfeifers erinnern, heißt sie auch Regenpfeifer-Burg.

Innen ist sie unrenoviert im besten Sinn: steile Holztreppen, dunkle Balken, kein Aufzug und kein Beton. Genau so fühlt sich eine echte japanische Burg an, und genau das unterscheidet sie von den bekannteren Nachbauten. Oben hast du den Blick über Stadt, See und Berge.

  • Eintritt rund 700 bis 900 Yen für Erwachsene
  • Geöffnet in der Regel ab 8:30 Uhr, im Sommer länger als im Winter
  • Es gibt Kombitickets mit der Bootstour und den Museen

Die schwarze Burg von Matsue mit ihrem Hauptturm

Die Bootsfahrt durch die Kanäle

Rund um die Burg verlaufen die alten Wassergräben, und darauf fährt ein kleines, flaches Boot. Die Runde dauert etwa 50 Minuten und kostet rund 1.600 Yen, du darfst beliebig oft aus- und wieder zusteigen.

Das Beste daran: Einige Brücken sind so niedrig, dass das Bootsdach abgesenkt wird und alle Fahrgäste sich flach hinlegen müssen, bis das Boot durch ist. Im Winter haben die Boote beheizte Tische unter der Decke.

Der Europäer, der Japaner wurde

Matsue ist eng mit einem Namen verbunden, der für europäische Leser besonders interessant ist. Lafcadio Hearn, geboren als Sohn eines Iren und einer Griechin, kam 1890 als Journalist nach Japan und wurde in Matsue Lehrer.

Er blieb, heiratete die Tochter einer Samurai-Familie, nahm die japanische Staatsbürgerschaft an und den Namen Koizumi Yakumo. Seine Bücher über japanische Geistergeschichten und Alltagskultur prägten das Bild Japans im Westen über Jahrzehnte.

In Matsue kannst du sein Wohnhaus und ein Museum besuchen, beides liegt im alten Samurai-Viertel unterhalb der Burg.

Blick über Matsue mit Wasserwegen

Warum es hier so gute Süßigkeiten gibt

Matsue zählt gemeinsam mit Kyoto und Kanazawa zu den drei großen Konditoreistädten Japans, und das hat einen historischen Grund.

Ein Fürst der Stadt war im 18. Jahrhundert ein leidenschaftlicher Teemeister und förderte die Teekultur so stark, dass sie bis in die Bürgerhäuser vordrang. Zum Tee gehören Süßigkeiten, und so entstand hier eine Konditorentradition, die es sonst nur in ehemaligen Hauptstädten gibt.

Bis heute trinken die Menschen in Matsue überdurchschnittlich viel Tee, und in den alten Konditoreien bekommst du kunstvoll geformte Wagashi, die je nach Jahreszeit anders aussehen. Viele Häuser servieren dazu Matcha, oft für wenige hundert Yen.

Traditionelle Wagashi aus Matsue

Anreise

Ab Osaka:

  • Mit dem Shinkansen bis Okayama, dort umsteigen in den Limited Express, insgesamt rund vier Stunden
  • Mit dem Fernbus etwa sechs Stunden, deutlich günstiger

Ab Tokio:

  • Mit dem Flugzeug nach Izumo und weiter mit dem Bus, insgesamt rund drei Stunden
  • Mit der Bahn über Okayama etwa sieben Stunden
  • Oder mit dem Nachtzug: Es gibt eine der letzten regulären Schlafwagenverbindungen Japans, die abends in Tokio abfährt und morgens ankommt. Allein die Fahrt ist ein Erlebnis, Plätze sind aber schnell ausgebucht.

Vor Ort: Die Altstadt erkundest du zu Fuß, für die weiter entfernten Ziele gibt es einen Rundbus. Für Ausflüge an die Küste lohnt ein Mietwagen.

Shinkansen für die Anreise nach Matsue

Was du sonst nicht verpassen solltest

  • Der Sonnenuntergang am See: Der Shinji-See gilt als einer der schönsten Orte Japans für den Sonnenuntergang. Am Ufer stehen dafür eigens Bänke, das Kunstmuseum daneben verlängert im Sommer seine Öffnungszeiten bis nach Sonnenuntergang.
  • Das Samurai-Viertel unterhalb der Burg, mit begehbarer Residenz.
  • Tamatsukuri Onsen, ein alter Thermalort am Stadtrand mit öffentlichen Fußbädern.
  • Der Garten des Adachi-Museums bei Yasugi. Er wird seit über zwanzig Jahren in Folge zum schönsten japanischen Garten des Landes gewählt. Betreten darf man ihn nicht, er ist als lebendes Bild angelegt, das man durch große Fensterrahmen betrachtet.
  • Izumo Taisha, einer der ältesten und bedeutendsten Schreine Japans, rund eine Stunde entfernt.

Sonnenuntergang am Shinji-See bei Matsue

Essen in Matsue

  • Shijimi-Muscheln aus dem See, meist in der Misosuppe. Die Stadt ist dafür in ganz Japan bekannt.
  • Izumo-Soba: dunkle Buchweizennudeln, serviert in drei gestapelten Schalen, in die du die Sauce nach und nach gießt.
  • Wagashi zum Matcha, die Spezialität der Stadt.
  • Meeresfrüchte: im Winter Krabben, dazu Nodoguro, ein hoch geschätzter Fisch der Region.
  • Sake aus Shimane, weich und mineralisch.

Shijimi-Muscheln aus dem Shinji-SeeIzumo-Soba in drei gestapelten Schalen

Häufige Fragen zu Matsue

Was ist an der Burg besonders? Ihr Hauptturm ist original erhalten, das trifft nur auf zwölf Burgen in Japan zu. Fünf davon sind Nationalschatz, Matsue seit 2015.

Wie komme ich hin? Ab Osaka in rund vier Stunden mit der Bahn, ab Tokio am schnellsten per Flug nach Izumo.

Wie viele Tage brauche ich? Zwei. Einer für Burg, Kanäle und Altstadt, einer für Izumo Taisha oder das Adachi-Museum.

Was muss ich probieren? Izumo-Soba, Shijimi-Muscheln und Wagashi zum Matcha.

Wann ist die beste Zeit? Frühjahr und Herbst. Der Winter ist grau und feucht, dafür gibt es dann Krabben.

Fazit

Matsue ist kein Ort für Eile. Eine originale Burg mit knarzenden Holztreppen, ein Boot, das sich unter Brücken duckt, Süßigkeiten aus einer jahrhundertealten Teetradition und abends ein Sonnenuntergang über dem See. Dazu die Geschichte eines Iren, der hier zum Japaner wurde. Wer Japan abseits der bekannten Route sucht, findet hier eine der lohnendsten Städte des Landes.

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