Shinkansen: Der japanische Hochgeschwindigkeitszug

Shinkansen: Der japanische Hochgeschwindigkeitszug

Wie schnell fährt der Shinkansen? Im Regelbetrieb erreicht der Shinkansen bis zu 320 km/h, und zwar auf dem Abschnitt zwischen Utsunomiya und Morioka im Norden. Auf der klassischen Strecke zwischen Tokio und Osaka liegt das Maximum bei 285 km/h, die Fahrt dauert mit dem schnellsten Zug rund zweieinhalb Stunden.

Der Shinkansen ist mehr als ein schneller Zug. Er war das erste Hochgeschwindigkeitssystem der Welt, er hat in über sechzig Jahren Betrieb eine bemerkenswerte Sicherheitsbilanz, und er hat die Art verändert, wie Japan funktioniert. In diesem Beitrag geht es um das System dahinter: Geschichte, Strecken, Zugtypen und Technik.

Wie sich eine Fahrt anfühlt und worauf du an Bord achten solltest, beschreiben wir in unserem Beitrag Shinkansen erleben. Und alles zu Preisen und Pässen steht im JR-Pass-Guide.

Die Geschichte in Kürze

  • 1964: Eröffnung der Tokaido-Strecke zwischen Tokio und Osaka, wenige Tage vor den Olympischen Spielen in Tokio. Es war die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke der Welt.
  • 1970er: Verlängerung nach Westen über Hiroshima bis Fukuoka.
  • 1982: Die ersten Strecken in den Norden gehen in Betrieb.
  • Seit den 1990er Jahren: neue Baureihen, mehr Strecken, unter anderem nach Nagano, Kanazawa und quer über Kyushu bis Kagoshima.
  • 2016: Die Strecke erreicht durch einen Tunnel unter der Meerenge die Nordinsel Hokkaido.
  • 2024: Verlängerung der Hokuriku-Strecke bis Tsuruga. Der Weiterbau bis Sapporo ist im Gange, ein Termin steht nicht fest.

Shinkansen am Bahnsteig

Was das System besonders macht

Die Sicherheitsbilanz

Seit der Eröffnung 1964 hat es im regulären Betrieb keinen einzigen Todesfall unter Fahrgästen durch Entgleisung oder Zusammenstoß gegeben. Bei einem Netz dieser Größe und über sechs Jahrzehnten Betrieb ist das außergewöhnlich.

Ein Grund dafür ist die konsequente Trennung: Die Strecken sind vollständig kreuzungsfrei, ohne Bahnübergänge und ohne gemeinsamen Betrieb mit langsameren Zügen.

Die Erdbebenerkennung

Entlang der Strecken stehen Sensoren, die die schnelleren Vorläuferwellen eines Erdbebens registrieren. Sie lösen automatisch eine Bremsung aus, bevor die zerstörerischen Wellen eintreffen. Diese Sekunden reichen aus, um Züge deutlich zu verlangsamen.

Die Pünktlichkeit

Die durchschnittliche Verspätung auf der Hauptstrecke wird in Sekunden gemessen, nicht in Minuten, und zwar einschließlich Wetter und Störungen. Wenn ein Shinkansen zwei Minuten spät ist, gilt das als Vorfall.

Die sieben Minuten am Bahnsteig

An der Endstation in Tokio hat das Reinigungsteam etwa sieben Minuten Zeit, um einen kompletten Zug zu säubern, Müll zu entfernen, Sitze zu drehen und Kopfstützenbezüge zu wechseln. Die Teams verbeugen sich vor und nach der Arbeit vor dem Zug. Dieses Ritual ist inzwischen selbst eine kleine Sehenswürdigkeit, es gibt Videos davon in aller Welt.

JR Shinkansen Hochgeschwindigkeitszug

Die Zugtypen verstehen

Das ist der Punkt, der Reisende am meisten verwirrt: Auf derselben Strecke fahren mehrere Kategorien, die sich nur in der Zahl der Halte unterscheiden. Sie haben Namen statt Nummern.

Auf der Strecke Tokio nach Osaka:

  • Nozomi: die schnellste Kategorie, hält am wenigsten. Im Japan Rail Pass nur gegen Aufpreis.
  • Hikari: etwas mehr Halte, rund 15 bis 20 Minuten langsamer. Im Pass enthalten.
  • Kodama: hält überall, entsprechend gemütlich.

Weiter Richtung Kyushu heißen die Kategorien Mizuho und Sakura, wobei Mizuho wie der Nozomi behandelt wird.

Im Norden fährt der Hayabusa als schnellste Kategorie, dazu Yamabiko und Nasuno mit mehr Halten. Richtung Kanazawa sind es Kagayaki, Hakutaka und Asama.

Merken kannst du dir: Je kürzer der Name in der Anzeige oben steht, desto weniger hält der Zug. Und wenn du mit dem Pass reist, achte darauf, nicht versehentlich in einen Nozomi oder Mizuho zu steigen.

Shinkansen fährt in den Bahnhof ein

Die Klassen

  • Standardklasse: drei plus zwei Sitze pro Reihe, viel Beinfreiheit, für die meisten völlig ausreichend.
  • Green Car: die Erste Klasse, zwei plus zwei Sitze, breiter und ruhiger. Braucht ein eigenes Ticket beziehungsweise einen entsprechenden Pass.
  • Gran Class: nur auf einzelnen Strecken im Norden, mit sehr großzügigen Sesseln und Bedienung am Platz. Deutlich teurer.

In allen Klassen gibt es reservierte und teils auch freie Wagen. Die Sitze lassen sich drehen, damit Gruppen sich gegenübersitzen können und alle in Fahrtrichtung fahren.

Tickets in Kürze

Der Fahrpreis besteht immer aus zwei Teilen: einem Grundfahrpreis nach Entfernung und einem Zuschlag für den Schnellzug. Deshalb bekommst du am Automaten oft zwei Fahrkarten, die du gemeinsam in die Schranke steckst.

Kaufen kannst du am Schalter, am Automaten mit englischer Oberfläche oder online. Reserviert werden sollte in Ferienzeiten unbedingt, im Alltag reicht meist ein freier Wagen. Ob sich ein Pass lohnt, rechnest du am besten mit unserem JR-Pass-Guide durch.

Häufige Fragen zum Shinkansen

Wie schnell fährt er? Bis zu 320 Kilometer pro Stunde auf den dafür ausgebauten Abschnitten, auf älteren Strecken weniger.

Warum heißen die Züge unterschiedlich? Die Namen stehen für die Zahl der Halte, nicht für verschiedene Fahrzeuge.

Welche Kategorie darf ich mit dem Pass nutzen? Alle außer Nozomi und Mizuho, diese nur gegen Aufpreis.

Wie sicher ist der Shinkansen? Seit 1964 gab es im Betrieb keinen Todesfall unter Fahrgästen durch Entgleisung oder Zusammenstoß.

Was ist der Unterschied zur Green Car? Breitere Sitze, mehr Ruhe, zwei statt drei Plätze nebeneinander, gegen Aufpreis.

Fazit

Der Shinkansen ist das Vorbild, an dem sich alle späteren Hochgeschwindigkeitszüge messen lassen mussten: seit 1964 im Betrieb, kreuzungsfrei gebaut, mit automatischer Erdbebenbremsung und einer Pünktlichkeit, die in Sekunden gemessen wird. Wer das weiß, sieht beim nächsten Halt am Bahnsteig nicht nur einen Zug, sondern ein sehr durchdachtes System.

Japan-Geschmack für die Fahrt

Zum Shinkansen gehört das Ekiben, die Bento-Box vom Bahnhof. In unserem Shiga Food Onlineshop findest du japanische Snacks, Süßigkeiten und Matcha und Grüntee, direkt aus Japan importiert.

Japanische Snacks im Shiga Food Online-Shop

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