Der Toyosu Fischmarkt: Tradition trifft Moderne
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Der Toyosu Fischmarkt ist der größte Fischgroßmarkt der Welt und liegt auf einer aufgeschütteten Insel in der Bucht von Tokio, im Bezirk Koto. Wer ihn besuchen will, sollte früh aufstehen und vorher wissen, wie der Zugang zur Thunfischauktion funktioniert, denn genau daran scheitern die meisten Besuche.
Vom Tsukiji nach Toyosu
Toyosu ist der Nachfolger des berühmten Tsukiji-Marktes, der jahrzehntelang das Herz des japanischen Fischhandels war. Am 11. Oktober 2018 zog der Großhandel auf das rund 40 Hektar große Gelände um, vor allem wegen strengerer Hygiene- und Sicherheitsvorschriften. Über 600 Zwischenhändler mussten sich dabei neu organisieren.
Wichtig für die Planung: Tsukiji ist damit nicht verschwunden. Der äußere Markt, das Tsukiji Outer Market, existiert weiter und ist mit seinen Gassen und Imbissständen das lebendigere Erlebnis. Nach Toyosu fährst du wegen der Auktion und der Dimension, nach Tsukiji wegen der Atmosphäre.

Die Thunfischauktion: zwei sehr unterschiedliche Zugänge
Anders als früher in Tsukiji stehst du hier nicht mehr zwischen den Händlern. Es gibt zwei Varianten, und der Unterschied ist groß:
- Der Besuchergang im ersten Stock: kostenlos, ohne Anmeldung, hinter Glas. Der Markt öffnet für Besucher gegen 5 Uhr, ab dann siehst du zuerst die Begutachtung der gefrorenen Thunfische und danach die Auktion von oben. Das reicht völlig, um zu verstehen, was dort passiert.
- Die Aussichtsplattform direkt an der Auktionsfläche: ebenfalls kostenlos, aber nur nach einer Verlosung. Du bewirbst dich vorab über die offizielle Website des Marktes, in der Regel rund einen Monat im Voraus und nur einmal pro Monat. Nur wer gezogen wird, darf auf dieselbe Ebene wie die Händler, mit Ausweis am Eingang.
Plane also entweder rechtzeitig die Bewerbung ein oder stelle dich von vornherein auf den Besuchergang ein. Spontan auf die untere Ebene zu kommen, funktioniert nicht.

Rekordpreise richtig einordnen
Die Schlagzeilen über Millionenpreise stimmen, betreffen aber fast immer die erste Auktion des Jahres im Januar. Dieser Zuschlag gilt als Glücksbringer und ist vor allem Werbung: 2019 gingen 333,6 Millionen Yen für einen einzigen Blauflossenthun über den Tisch, im Januar 2026 wurde dieser Rekord mit 510,3 Millionen Yen für einen 243 Kilogramm schweren Fisch übertroffen. Gekauft hat wie so oft der Betreiber einer großen Sushikette.
An normalen Markttagen liegen die Preise um ein Vielfaches darunter. Wer also im Februar zuschaut, erlebt keinen Millionenzuschlag, dafür das ganz normale, hochprofessionelle Tagesgeschäft.

Essen auf dem Markt
In den Marktgebäuden gibt es Restaurantetagen mit Sushi, Sashimi und Donburi, darunter Ableger bekannter Adressen aus dem alten Tsukiji wie Sushi Dai und Daiwa Sushi. Zwei Dinge solltest du wissen:
- Vor den bekanntesten Läden stehen morgens lange Schlangen, ein bis zwei Stunden Wartezeit sind keine Seltenheit. Die Lokale eine Tür weiter sind oft fast genauso gut.
- Viele Restaurants schließen schon am frühen Nachmittag. Wer erst mittags kommt, findet einen ruhigen, halb geschlossenen Markt vor.





Toyosu Senkyaku Banrai
Gleich neben dem Markt hat im Februar 2024 das Toyosu Senkyaku Banrai eröffnet, eine Gasse im Stil der Edo-Zeit mit Restaurants und Läden, dazu ein großer Bade- und Spa-Komplex. Ganz oben liegt eine Terrasse mit Fußbad und Blick über die Bucht und die Skyline.
Zwei praktische Hinweise: Die Geschäfte öffnen meist erst gegen 10 Uhr, du kommst also nicht direkt nach der Auktion dorthin. Dafür hat das Senkyaku Banrai auch an Tagen geöffnet, an denen der Markt geschlossen ist. Wir waren mittags dort und haben den Sonnenuntergang verpasst, abends soll der Blick noch einmal deutlich schöner sein.


teamLab Planets gleich um die Ecke
Wenige Gehminuten entfernt liegt teamLab Planets, das zweite große teamLab-Museum in Tokio. Es ist seit 2018 in Toyosu und wurde seither mehrfach erweitert. Anders als beim Schwesterhaus in Azabudai gehst du hier barfuß und watest unter anderem durch knietiefes Wasser, zieh dir also passende Kleidung an. Wie sich die beiden Häuser unterscheiden, liest du in unserem Beitrag zu teamLab Borderless.
Anfahrt und Öffnungstage
- Mit der Yurikamome, der automatischen Hochbahn ab Shimbashi, bis zur Station Shijo-mae. Die Bahn fährt über die künstlichen Inseln, unterwegs siehst du Odaiba mit der kleinen Freiheitsstatue, den großen Gundam und das Miraikan.
- Der Markt ist sonntags, an Feiertagen und an vielen Mittwochen geschlossen. Prüfe vor der Anreise unbedingt den Marktkalender, sonst stehst du vor verschlossenen Hallen.
- Die beste Zeit ist zwischen 5 und 9 Uhr. Danach leert sich der Markt zusehends.
- Feste Schuhe sind sinnvoll, die Böden sind nass, und Gepäck stört in den engen Gängen.
Ein Morgen in Toyosu
- Gegen 5 Uhr an der Station Shijo-mae ankommen.
- Begutachtung der Thunfische und Auktion vom Besuchergang aus verfolgen.
- Danach durch die Hallen mit Gemüse und Meeresfrüchten laufen.
- Sushi-Frühstück in einer der Restaurantetagen, möglichst vor 8 Uhr.
- Ab 10 Uhr Senkyaku Banrai mit Fußbad, danach teamLab Planets oder weiter nach Odaiba.
Häufige Fragen zum Toyosu Fischmarkt
Kann ich die Thunfischauktion spontan sehen? Vom Besuchergang aus ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Für die Plattform direkt an der Auktionsfläche brauchst du das Los aus der Verlosung.
Wann muss ich dort sein? Der Markt öffnet für Besucher gegen 5 Uhr, die Auktion läuft in den frühen Morgenstunden. Wer um 7 Uhr kommt, sieht sie nicht mehr.
Ist der Markt jeden Tag geöffnet? Nein. Sonntags, feiertags und an vielen Mittwochen bleibt er zu.
Lohnt sich Toyosu ohne Auktion? Ja, wegen der Restaurants und der schieren Größe. Wer vor allem Marktatmosphäre sucht, ist im Tsukiji Outer Market allerdings besser aufgehoben.
Ist das etwas für Kinder? Bedingt. Sehr frühes Aufstehen, viel Glas zwischen dir und dem Geschehen, wenig zum Anfassen.
Fazit
Toyosu ist kein romantischer Markt, sondern ein hochmoderner Logistikbetrieb, den man beim Arbeiten zusehen darf. Genau das macht den Reiz aus: tonnenschwere Thunfische, ein Handel im Sekundentakt und danach das frischeste Sushi-Frühstück deines Lebens. Wer den Wecker stellt und vorher kurz den Marktkalender prüft, erlebt einen der besten Morgen in Tokio.
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