Müllablagestelle in Japan

Mülltrennung in Japan: Was du als Reisender wissen solltest

Wer zum ersten Mal durch Tokio oder Kyoto läuft, wundert sich über zwei Dinge gleichzeitig: Die Straßen sind außergewöhnlich sauber, und es gibt fast nirgends einen Mülleimer. Beides hängt zusammen. In diesem Beitrag erfährst du, wie die japanische Mülltrennung funktioniert, wo du unterwegs deinen Abfall loswirst und was du beachten musst, wenn du in einer Ferienwohnung übernachtest.

Warum es kaum öffentliche Mülleimer gibt

Nach dem Giftgasanschlag in der Tokioter U-Bahn 1995 wurden aus Sicherheitsgründen vielerorts die Abfallbehälter entfernt. Geblieben ist dieser Zustand bis heute, verstärkt durch den Grundsatz, dass jeder seinen Müll selbst mit nach Hause nimmt.

Das klingt unbequem, funktioniert aber erstaunlich gut, weil praktisch alle mitmachen. Für dich als Reisenden heißt das vor allem eins: Nimm eine kleine Tüte mit und sammle darin, was tagsüber anfällt.

Die wichtigsten Kategorien

Die genauen Vorgaben legt jede Gemeinde selbst fest, deshalb unterscheiden sie sich zwischen Tokio, Kyoto und dem Land teils deutlich. Diese Einteilung findest du fast überall:

  • Brennbarer Müll, auf Japanisch moeru gomi: Küchenabfälle, Papiertaschentücher, kleine Holzteile.
  • Nicht brennbarer Müll, moenai gomi: Metall, Keramik, kleine Elektroteile, Batterien je nach Ort separat.
  • Plastikverpackungen: alles mit dem Zeichen für Kunststoffverpackung, also Folien, Schalen, Deckel.
  • PET-Flaschen: eigene Kategorie, nicht zusammen mit anderem Plastik.
  • Dosen und Glas: meist wieder getrennt voneinander.
  • Altpapier und Kartons: gebündelt, oft an eigenen Terminen.

PET-Flaschen richtig entsorgen

An diesem Beispiel wird das System am besten deutlich. Eine leere Teeflasche zerfällt in drei Teile:

  1. Deckel abschrauben, er gehört zum Plastikmüll.
  2. Etikett abziehen, meist gibt es dazu eine Perforation. Auch das ist Plastikmüll.
  3. Flasche kurz ausspülen und in den PET-Behälter geben.

An Getränkeautomaten steht deshalb oft nur ein Behälter für Flaschen und Dosen. Er ist ausdrücklich für das gedacht, was du dort gekauft hast, nicht für den Rest deines Tagesmülls.

Wo du unterwegs Müll loswirst

  • Konbini: Vor oder in den Läden stehen getrennte Behälter. Sie sind für das gedacht, was du dort gekauft hast. Große Mengen fremden Mülls sind nicht gern gesehen.
  • Bahnhöfe: An größeren Stationen gibt es Behälter, meist hinter den Schranken auf den Bahnsteigen.
  • Getränkeautomaten: Behälter für Flaschen und Dosen, nichts anderes.
  • Kaufhäuser, Parks und Feste: Bei Veranstaltungen gibt es betreute Sammelstellen, dort wird oft direkt vor Ort sortiert.

Wenn du unsicher bist, frag kurz beim Personal nach. Ein Behälter, der zu einem Geschäft gehört, ist kein öffentlicher Mülleimer, und das wird auch so gehandhabt.

Wenn du in einer Ferienwohnung wohnst

Im Hotel übernimmt das Personal die Trennung, in einer Ferienwohnung bist du selbst dran. Darauf solltest du achten:

  • Viele Gemeinden schreiben bestimmte, oft farbige oder bedruckte Müllbeutel vor, die du im Supermarkt kaufst.
  • Jede Kategorie hat feste Abholtage, und der Müll kommt erst am Morgen des Abholtags raus, nicht am Abend davor.
  • An den Sammelstellen liegen oft Netze aus, die Säcke gehören darunter. Sie halten Krähen fern, die sonst alles aufreißen.
  • Falsch sortierter Müll wird nicht mitgenommen, sondern mit einem Aufkleber stehen gelassen. Das fällt in der Nachbarschaft sofort auf.

Die Hausordnung deiner Unterkunft erklärt das meist genau. Ein Blick lohnt sich am Anreisetag, nicht erst am Abreisemorgen.

Rauchen und Zigaretten

Das Thema gehört dazu, denn Kippen sind der häufigste Straßenmüll. In vielen Städten ist Rauchen im Gehen verboten, geraucht wird in ausgewiesenen Raucherzonen oder in Raucherräumen. Viele Rauchende in Japan tragen einen kleinen tragbaren Aschenbecher bei sich.

Häufige Fragen zur Mülltrennung in Japan

Muss ich meinen Müll wirklich den ganzen Tag mittragen? Meistens ja. Eine kleine Tüte im Rucksack löst das Problem, entsorgt wird abends in der Unterkunft.

Darf ich Müll im Konbini wegwerfen, wenn ich dort nichts gekauft habe? Kleine Mengen sind meist kein Problem, große schon. Höflicher ist es, dort etwas zu kaufen oder zu warten.

Was passiert, wenn ich falsch sortiere? Als Reisender im Hotel nichts. In einer Ferienwohnung bleibt der Sack stehen und du musst ihn zurücknehmen.

Warum ist es trotz fehlender Mülleimer so sauber? Weil das Mitnehmen des eigenen Mülls als selbstverständlich gilt und schon in der Schule geübt wird, wo Kinder ihre Klassenräume selbst putzen.

Gilt überall dasselbe System? Nein. Die Kategorien und Abholtage legt jede Gemeinde fest, deshalb kann sich das schon in der Nachbarstadt unterscheiden.

Fazit

Die japanische Mülltrennung wirkt beim ersten Kontakt kompliziert, folgt aber einer einfachen Idee: Was du produzierst, kümmert dich, bis es an der richtigen Stelle liegt. Mit einer kleinen Tüte im Gepäck und einem Blick auf die Behälter vor dem Konbini machst du praktisch nichts falsch, und du verstehst nebenbei ein Stück japanischer Alltagskultur.

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