Nagoya entdecken: Zwischen Tradition und Technologie

Nagoya entdecken: Zwischen Tradition und Technologie

Wenn man an Japan denkt, kommen einem meist Tokio, Kyoto oder Osaka in den Sinn. Nagoya, die viertgrößte Stadt des Landes, wird dagegen meist durchfahren. Zu Unrecht: Hier stehen eine der wichtigsten Burgen Japans, ein herausragendes Technikmuseum und eine eigene Esskultur, die im ganzen Land einen Namen hat. In diesem ersten Teil geht es um Burg und Toyota-Museum.

Anreise und Fortbewegung

  • Mit dem Shinkansen ab Tokio in rund anderthalb bis zwei Stunden, ab Shin-Osaka in etwa 50 Minuten.
  • Vor Ort fährst du am besten mit der U-Bahn. Für Sehenswürdigkeiten gibt es zusätzlich einen Rundbus, der Burg, Museen und Innenstadt verbindet, dazu passende Tagestickets.
  • Der Flughafen Chubu Centrair liegt auf einer künstlichen Insel und ist per Zug in rund 30 Minuten erreichbar.

Die Burg von Nagoya

Die Nagoya-jo wurde im frühen 17. Jahrhundert unter Tokugawa Ieyasu errichtet und war Sitz einer der mächtigsten Nebenlinien der Tokugawa. Im Zweiten Weltkrieg brannte sie fast vollständig aus.

Wichtig für deinen Besuch: Der große Burgturm ist seit 2018 für Besucher geschlossen. Der Nachkriegsbau aus Beton gilt als nicht erdbebensicher, geplant ist ein Neubau in traditioneller Holzbauweise. Ein verbindlicher Fertigstellungstermin steht bis heute nicht fest, zuletzt war von den 2030er Jahren die Rede. Von außen bleibt der Turm ein schönes Fotomotiv.

Das eigentliche Highlight ist deshalb ein anderes: der Honmaru-Palast, originalgetreu rekonstruiert und seit einigen Jahren vollständig zugänglich. Die Räume sind mit Goldmalereien, bemalten Schiebetüren und aufwendigen Schnitzereien ausgestattet, gearbeitet mit denselben Techniken wie im Original. Du gehst in Socken durch die Räume, es riecht nach frischem Holz und Tatami.

Ebenfalls sehenswert:

  • die goldenen Shachihoko auf dem Dach, halb Fisch, halb Tiger, das Wahrzeichen der Stadt
  • der Garten Ninomaru mit Teehaus
  • die mächtigen Mauern und Wassergräben, die den Krieg überstanden haben

Geöffnet ist in der Regel von 9 bis 16:30 Uhr, letzter Einlass um 16 Uhr. Der Eintritt liegt bei rund 500 Yen, der Honmaru-Palast ist enthalten.

Die Burg von Nagoya mit den goldenen Shachihoko auf dem Dach

Das Toyota-Museum

Wenige Minuten mit der U-Bahn entfernt liegt das Toyota Commemorative Museum of Industry and Technology, untergebracht in den Backsteinhallen der ersten Fabrik des Konzerns. Denn Toyota begann nicht mit Autos, sondern mit automatischen Webstühlen.

Das Museum hat zwei große Bereiche:

  • Weberei und Maschinenbau: historische Webmaschinen, die tatsächlich laufen, mit Vorführungen an Originalgeräten. Der Sprung von der Handarbeit zur Automatisierung wird hier körperlich spürbar, allein durch den Lärm.
  • Automobiltechnik: von den ersten Fahrzeugen bis zu heutigen Antrieben, dazu Roboter in Aktion und Mitmachstationen zur Fertigung.

Für Kinder ist das einer der besten Orte der Stadt, weil vieles zum Ausprobieren ist. Geöffnet ist meist von 9:30 bis 17 Uhr, montags geschlossen, der Eintritt liegt bei rund 500 Yen.

Nicht verwechseln: Das Toyota Automobile Museum mit den historischen Fahrzeugen ist ein anderes Haus und liegt außerhalb in Nagakute. Wer nur Autos sehen will, fährt dorthin.

Historische Webmaschinen im Toyota-MuseumAusstellung zur Automobiltechnik im Toyota-Museum

Nagoya-meshi: die Esskultur der Stadt

Nagoya hat eine eigene Küche, die in ganz Japan bekannt ist und die du sonst nirgends so bekommst. Wenn du nur einen Tag hier bist, iss zumindest eines davon:

  • Hitsumabushi: gegrillter Aal auf Reis, in drei Etappen gegessen, erst pur, dann mit Gewürzen, zum Schluss mit Brühe aufgegossen
  • Misokatsu: paniertes Schnitzel mit dunkler, süßlicher Misosauce, die Spezialität schlechthin
  • Tebasaki: knusprige, würzige Hühnerflügel, das klassische Bier-Begleitessen
  • Misonikomi Udon: dicke Nudeln in kräftiger Misobrühe, im Tontopf serviert
  • Kishimen: flache, breite Nudeln, oft schnell am Bahnsteig gegessen
  • Ogura Toast: Toast mit Butter und süßer Bohnenpaste, das typische Frühstück im Kissaten

Dazu kommt die Kaffeehauskultur: In Nagoyas Cafés bekommst du morgens zum Kaffee oft ein komplettes Frühstück ohne Aufpreis, das sogenannte Morning Service.

Was du sonst noch einplanen kannst

  • Atsuta-Schrein: einer der wichtigsten Schreine Japans, in dem der Überlieferung nach eines der drei kaiserlichen Throninsignien aufbewahrt wird. Das Gelände ist ein stiller Wald mitten in der Stadt und kostenlos zugänglich.
  • Osu: ein Tempel mit angeschlossener überdachter Einkaufsstraße, in der Secondhandläden, Elektronik, Streetfood und Anime-Geschäfte nebeneinanderliegen.
  • Eisenbahnmuseum SCMaglev and Railway Park: mit Shinkansen-Generationen zum Anfassen und einem Magnetschwebezug.
  • Ghibli Park: seit 2022 in einem Park östlich der Stadt, ohne Fahrgeschäfte, dafür mit begehbaren Filmwelten. Tickets gibt es nur mit Voranmeldung und sie sind schnell vergriffen, klär das vor der Reise.

Häufige Fragen zu Nagoya

Kann ich den Burgturm betreten? Nein, er ist seit 2018 geschlossen. Zugänglich sind Gelände, Gärten und der rekonstruierte Honmaru-Palast.

Lohnt sich Nagoya als eigener Stopp? Für einen Tag auf jeden Fall, vor allem wegen Burg, Museen und Essen. Es ist zudem ein guter Ausgangspunkt für Gifu und den Ghibli Park.

Was muss ich essen? Hitsumabushi oder Misokatsu, beides gibt es in dieser Form nur hier.

Wie komme ich herum? Mit der U-Bahn, für Sehenswürdigkeiten lohnt sich der Rundbus mit Tagesticket.

Ist das Toyota-Museum auch ohne Technikinteresse spannend? Ja. Die laufenden Webmaschinen sind ein Erlebnis für sich, auch für Kinder.

Fazit

Nagoya ist die Stadt, die man auf der Golden Route immer durchfährt und dabei verpasst. Dabei bekommst du hier an einem Tag Samurai-Geschichte im Honmaru-Palast, Industriegeschichte zum Anfassen und eine Küche, die es sonst nirgends gibt. Der geschlossene Burgturm ist kein Grund, die Stadt auszulassen.

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