Naruto auf Shikoku: Unser kurzer Guide mit Highlights
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Naruto in der Präfektur Tokushima ist eine Küstenstadt im Nordosten von Shikoku, berühmt für die gewaltigen Strudel in der Meerenge vor der Stadt. Was kaum jemand weiß: Naruto hat auch eine sehr direkte deutsche Geschichte. In diesem Beitrag findest du beides, dazu die praktischen Angaben für deinen Besuch.
Anreise
- Mit dem Auto von Osaka oder Kobe über die Akashi-Kaikyo-Brücke und die Insel Awaji, dann über die Onaruto-Brücke direkt nach Shikoku. Die schönste Variante.
- Mit dem Bus ab Osaka, Kobe oder Kyoto über dieselbe Route, mehrere Verbindungen am Tag.
- Mit dem Flugzeug nach Tokushima, von dort weiter mit Bus oder Mietwagen.
- Mit der Bahn bis Naruto Station, ab Tokushima mit Umstieg.
Vor Ort empfiehlt sich ein Mietwagen. Die Ziele liegen auseinander, und der Bus fährt selten. Denk daran, dass Deutsche in Japan ihren nationalen Führerschein plus offizielle japanische Übersetzung brauchen. Ein Kei Car reicht völlig.
Die Strudel und wann du sie siehst
In der Meerenge zwischen Shikoku und Awaji treffen der Pazifik und das Seto-Binnenmeer aufeinander. Weil sich die Gezeiten auf beiden Seiten zeitversetzt aufbauen, entsteht ein Höhenunterschied im Wasserspiegel. Das Wasser schießt durch die Enge, und an den Rändern der Strömung bilden sich Wirbel, die mehrere Meter Durchmesser erreichen können.
Das Wichtigste für deine Planung: Die Strudel sind nicht immer da. Sie hängen vom Gezeitenstand ab, und der ändert sich täglich.
- Am stärksten sind sie zur Springtide, also rund um Neumond und Vollmond.
- Innerhalb eines Tages gibt es zwei kurze Zeitfenster, jeweils rund um den stärksten Strömungswechsel.
- Die Bootsbetreiber veröffentlichen dafür Vorhersagekalender. Schau vor der Anreise nach und plane den Tag um dieses Zeitfenster herum, nicht umgekehrt.
- Im Frühjahr sind die Strudel im Schnitt am größten.


Zwei Wege, sie anzusehen
Vom Boot
Wir sind mit dem Ausflugsboot rausgefahren und standen praktisch über den Wirbeln. Es gibt zwei Schiffstypen: ein großes mit offenem Deck und ein kleineres mit Unterwasserfenstern, durch die du die Strömung von unten siehst. Die Fahrt dauert rund 30 Minuten.
Von der Brücke
Unter der Fahrbahn der Onaruto-Brücke verläuft ein begehbarer Gang, der etwa 450 Meter weit über das Wasser führt. Am Ende gibt es Glasböden, durch die du senkrecht rund 45 Meter hinunter auf die Strudel schaust. Der Eintritt liegt bei rund 500 Yen und damit deutlich unter dem Bootspreis.
Wenn du Zeit hast, mach beides. Von oben verstehst du die Größenordnung, vom Boot die Kraft.


Der Aussichtspunkt über der Brücke
Unser Abstecher zum Ochaen-Aussichtsdeck war ein echter Wow-Moment: freier Blick auf die Onaruto-Brücke und das Meer, ideal zum Fotografieren. Am schönsten am späten Nachmittag, wenn das Licht von der Seite kommt.

Beethovens Neunte kam hier zum ersten Mal nach Japan
Das ist die Geschichte, die Naruto für deutschsprachige Reisende besonders macht.
Im Ersten Weltkrieg geriet die deutsche Kolonie Tsingtau in japanische Hand. Rund tausend deutsche Kriegsgefangene kamen daraufhin in ein Lager im Stadtteil Bando bei Naruto. Der Lagerleiter führte es ungewöhnlich liberal: Die Gefangenen durften Werkstätten und eine Druckerei betreiben, Konzerte geben und Kontakt zur örtlichen Bevölkerung halten. Sie brachten den Menschen der Region Backen, Käserei und Handwerkstechniken bei.
Und im Juni 1918 führten sie dort Beethovens Neunte Sinfonie auf, die erste vollständige Aufführung dieses Werks in Japan. Daraus ist eine der erstaunlichsten Traditionen des Landes geworden: Die Neunte, auf Japanisch schlicht Daiku genannt, wird bis heute in ganz Japan zum Jahreswechsel aufgeführt, oft mit Chören aus mehreren tausend Laiensängern.
In Naruto erinnert daran ein eigenes Museum, das Deutsche Haus, dazu Reste des Lagergeländes und ein Gedenkort. Wenn du aus dem deutschsprachigen Raum kommst, ist das der ungewöhnlichste Programmpunkt, den du auf Shikoku haben kannst.
Zwei weitere Ziele, die viele verpassen
- Das Otsuka-Kunstmuseum: eines der größten Ausstellungshäuser Japans, in dem über tausend Meisterwerke der westlichen Kunstgeschichte als originalgroße Keramikkopien hängen, von der Sixtinischen Kapelle bis zu Werken, die sonst über die ganze Welt verteilt sind. Klingt schräg, ist aber beeindruckend, allein schon wegen des Maßstabs. Rechne mit mehreren Stunden und einem Eintritt im vierstelligen Yen-Bereich.
- Der Tempel Ryozen-ji: Hier beginnt der berühmte Pilgerweg zu den 88 Tempeln von Shikoku. Wer in weißer Kleidung mit Strohhut und Stab unterwegs ist, startet in Naruto. Der Tempel ist frei zugänglich, und im Laden daneben bekommst du die Pilgerausrüstung.
Was du essen solltest
- Naruto-Wakame: Die Algen aus dieser Meerenge gelten als die besten Japans, weil die starke Strömung sie besonders fest werden lässt.
- Naruto-Kintoki: eine süße Kartoffelsorte der Region, gebacken, als Chips oder in Süßigkeiten.
- Meerbrasse: Der Fisch aus der Strömung ist bekannt für sein festes Fleisch.
- Sudachi: die kleine grüne Zitrusfrucht aus Tokushima, die zu fast allem gereicht wird.
Praktische Tipps
- Plan den Tag um das Gezeitenfenster herum, alles andere lässt sich flexibel legen.
- Ein Mietwagen spart viel Zeit, gerade für Hafen, Aussichtspunkte und Museum.
- Eine Ferienwohnung ist oft günstiger als ein Hotel und hat eine Küche, was in einer Region mit gutem Fisch ein Vorteil ist.
- Auf dem Boot ist es windig und es spritzt. Nimm eine Jacke mit und schütze die Kamera.
Häufige Fragen zu Naruto
Wann sind die Strudel am größten? Zur Springtide rund um Neumond und Vollmond, innerhalb des Tages in zwei kurzen Zeitfenstern. Vorhersagekalender vorher prüfen.
Boot oder Brücke? Vom Boot bekommst du die Kraft mit, vom Gang unter der Brücke den Überblick. Der Gang ist deutlich günstiger.
Was hat Naruto mit Deutschland zu tun? Hier stand im Ersten Weltkrieg ein Lager für deutsche Kriegsgefangene, die 1918 Beethovens Neunte erstmals in Japan aufführten.
Wie lange sollte ich bleiben? Ein Tag reicht für die Strudel, zwei, wenn du Museum und Tempel dazunimmst.
Brauche ich ein Auto? Sehr empfehlenswert, der Nahverkehr ist dünn.
Fazit
Naruto ist kompakt und voller Naturdrama, aber die Stadt kann mehr als Strudel. Zwischen dem Gang unter der Brücke, dem Startpunkt des berühmtesten Pilgerwegs Japans und einem Lager, in dem deutsche Kriegsgefangene Beethovens Neunte nach Japan brachten, bekommst du hier eine ungewöhnliche Mischung. Wichtig ist nur eines: Schau vorher in den Gezeitenkalender.
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