Sendai: Die grüne Metropole des Nordens

Sendai: Die grüne Metropole des Nordens

Sendai ist die größte Stadt der Tohoku-Region und wird von Reisenden meist übersehen. Dabei ist sie in anderthalb Stunden ab Tokio erreichbar, angenehm überschaubar und ein idealer Ausgangspunkt für den ganzen Norden. Dazu kommt eine Esskultur, die in Japan einen sehr guten Ruf hat. In diesem Beitrag findest du einen Überblick über Stadt, Geschichte und Umgebung.

Die Stadt des Grüns

Sendai wurde im Jahr 1600 von Date Masamune gegründet, einem der berühmtesten Fürsten Japans, bekannt als der einäugige Drache. Er ließ die Stadt planmäßig anlegen und förderte gezielt Baumpflanzungen, weshalb Sendai bis heute die Stadt der Bäume heißt.

Am schönsten sieht man das an der Jozenji-dori, einem breiten Boulevard mit einer doppelten Zelkovenallee mitten im Zentrum. Er ist gleichzeitig Bühne für die großen Feste der Stadt.

Modernes Stadtzentrum von SendaiBaumallee in Sendai

Anreise und Fortbewegung

  • Mit dem Shinkansen ab Tokio in rund anderthalb Stunden, mit dem Japan Rail Pass abgedeckt.
  • Mit dem Fernbus ab Tokio oder Shinjuku, fünf bis sieben Stunden, deutlich günstiger und oft über Nacht.
  • Vor Ort: Nimm den Loople Sendai, einen Rundbus im Retrostil, der die Sehenswürdigkeiten auf dem Hügel verbindet, also Burgruine, Mausoleum und Museum. Es gibt ein Tagesticket, das sich fast immer lohnt, weil die Ziele zu Fuß weit auseinanderliegen und bergauf.

Shinkansen am Bahnhof Sendai

Auf den Spuren von Date Masamune

  • Die Burgruine Aoba: Von der Burg selbst sind nur Mauern und Fundamente erhalten, der Rest fiel Feuer und Krieg zum Opfer. Der Grund hinaufzufahren ist trotzdem gut: die Reiterstatue Masamunes und der weite Blick über die Stadt bis zum Meer, besonders schön am Abend.
  • Das Zuihoden: das Mausoleum Masamunes, ein aufwendig lackierter und bemalter Bau im Stil der Momoyama-Zeit, umgeben von hohen Zedern. Das Original wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1979 originalgetreu wieder aufgebaut. Daneben liegen die Grabbauten seiner Nachfolger.
  • Das Stadtmuseum am Fuß des Burgbergs zeigt unter anderem seine berühmte Rüstung mit dem sichelförmigen Helmschmuck.

Spirituelle Orte

Weithin sichtbar über der Stadt steht die Daikannon, eine rund 100 Meter hohe Statue der Göttin der Barmherzigkeit und eine der höchsten Statuen Asiens. Du kannst sie betreten und mit einem Aufzug nach oben fahren, innen führt ein Rundgang an zahlreichen Figuren vorbei.

Deutlich stiller ist der Rinnoji, ein Tempel mit einem sehr schönen Garten, Teich und dreistöckiger Pagode. Zur Kirschblüte, zur Iris- und Rosenblüte im Sommer sowie im Herbstlaub lohnt er besonders.

Die Daikannon-Statue über Sendai

Essen in Sendai

Das ist der Teil, den man nicht auslassen sollte:

  • Gyutan, gegrillte Rinderzunge: in Sendai nach dem Krieg erfunden und heute ein eigenes Handwerk. Klassisch kommt sie als Set mit Gerstenreis und einer klaren Ochsenschwanzsuppe. Rund um den Bahnhof gibt es eine ganze Etage mit spezialisierten Lokalen.
  • Zunda: die hellgrüne Paste aus jungen Sojabohnen, meist auf Mochi, inzwischen auch als Shake.
  • Sasakama: gegrillter Fischkuchen in Form eines Bambusblatts, das klassische Mitbringsel.
  • Sendai-Miso: ein kräftiges, lang gereiftes rotes Miso, das der ganzen Region ihren Geschmack gibt.
  • Hoya: die Seescheide, ein sehr eigenwilliger Meeresbewohner, den Einheimische im Sommer lieben. Nichts für jeden, aber ein Erlebnis.

Die Feste der Stadt

  • Tanabata im August: das größte Sternenfest Japans, mehr dazu in unserem eigenen Beitrag.
  • Jazz-Festival im September: über ein Wochenende spielen hunderte Gruppen auf Bühnen in der ganzen Innenstadt, der Eintritt ist frei.
  • Yosakoi im Oktober: Tanzgruppen aus der ganzen Region, laut und farbenfroh.
  • Pageant of Starlight im Dezember: Hunderttausende Lichter in den Bäumen der Jozenji-dori, das Winterbild der Stadt.

Festumzug in Sendai

Natur und Ausflüge

Der Hirose-Fluss zieht sich durch die Stadt, ringsum liegen Berge und Onsen-Orte wie Akiu und Sakunami, beide gut mit Bus oder Bahn erreichbar. Im Winter kann man in der Nähe Ski fahren, im Herbst lohnt die Laubfärbung.

Als Tagesausflüge bieten sich außerdem an:

  • Matsushima mit seiner Inselbucht, rund 40 Minuten mit der Bahn
  • Yamadera, ein Bergtempel mit über tausend Stufen und großartiger Aussicht
  • die Schlucht bei Akiu Onsen mit Wasserfall und Wanderweg

Ein Ort des Erinnerns

Sendai liegt an der Küste, die 2011 vom Tsunami getroffen wurde. Im Stadtteil Arahama steht die Ruine einer Grundschule, in der sich damals hunderte Menschen auf die oberen Stockwerke retteten. Sie ist heute als Gedenkort zugänglich und dokumentiert, was geschehen ist. Wer sich damit befassen möchte, findet dort einen sehr ruhigen und sachlichen Ort.

Häufige Fragen zu Sendai

Wie komme ich hin? Mit dem Shinkansen ab Tokio in rund anderthalb Stunden.

Wie lange sollte ich bleiben? Zwei Tage für die Stadt, mehr, wenn du Matsushima oder Yamadera dazunimmst.

Wie komme ich zu den Sehenswürdigkeiten? Am einfachsten mit dem Rundbus Loople Sendai und einem Tagesticket.

Was muss ich essen? Gyutan, dazu Zunda als Nachtisch.

Wann ist die beste Reisezeit? Anfang August zum Tanabata, September für das Jazz-Festival, Dezember für die Lichter. Der Sommer ist angenehmer als in Tokio.

Fazit

Sendai ist keine Stadt der großen Sehenswürdigkeiten, sondern eine, in der man sich schnell wohlfühlt: breite Alleen, ein Fluss, ein Burgberg mit Aussicht und eine Küche, für die Japaner eigens anreisen. Als Tor nach Tohoku ist sie ohnehin gesetzt, und wer sie nur als Umsteigebahnhof nutzt, verpasst einiges.

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