Fushimi Inari-Taisha in Kyoto: Der Schrein der tausend Tore

Fushimi Inari-Taisha in Kyoto: Der Schrein der tausend Tore

Der Fushimi Inari-Taisha ist der Hauptschrein der Gottheit Inari Okami und damit das Zentrum von rund 30.000 Inari-Schreinen in ganz Japan. Berühmt ist er für seine tausenden zinnoberroten Torii, die sich als Tunnel den Berg hinaufziehen. Inari steht für Reis, Landwirtschaft, Fruchtbarkeit und geschäftlichen Erfolg, Themen, die das Leben in Japan seit Jahrhunderten prägen.

Das Wichtigste zuerst: rund um die Uhr und kostenlos

Anders als die meisten Tempel Kyotos hat der Fushimi Inari keine Öffnungszeiten und kostet keinen Eintritt. Das Gelände ist Tag und Nacht zugänglich.

Genau darin liegt dein größter Vorteil: Zwischen etwa 10 und 16 Uhr schiebt sich die Menge durch die Torii, morgens vor 8 Uhr und abends nach 18 Uhr hast du weite Teile des Wegs fast für dich. Der untere Bereich ist nachts beleuchtet, weiter oben wird es dunkel und einsam, nimm dann eine Lampe mit und bleib auf dem Hauptweg.

Anfahrt

  • Mit der JR Nara-Linie ab Kyoto Station in etwa 5 Minuten bis zur Station Inari. Der Ausgang liegt direkt gegenüber dem großen Torii, bequemer geht es nicht. Mit dem Japan Rail Pass ist die Fahrt inklusive.
  • Mit der Keihan-Linie bis Fushimi-Inari, von dort sind es wenige Gehminuten.
  • Mit dem Bus bis Inari Taisha-mae, danach rund 7 Minuten zu Fuß.

Ein Schrein mit langer Geschichte

Gegründet wurde der Schrein im Jahr 711 am Fuß des 233 Meter hohen Bergs Inari. Ursprünglich war er vor allem für Bauern wichtig, denn Inari galt als Schutzgottheit des Reisanbaus. Mit dem wirtschaftlichen Wandel kamen Handel und Unternehmen dazu, weshalb bis heute unzählige Firmen aus ganz Japan Torii stiften.

Haupttor des Fushimi Inari-Taisha mit Fuchsstatuen

Schreinanlage des Fushimi Inari-Taisha in Kyoto

Zinnoberrotes Schreingebäude am Fushimi Inari-Taisha

Die Füchse und ihre Rolle

Füchse, auf Japanisch Kitsune, gelten als Boten Inaris. Die Statuen zeigen sie oft mit einem Gegenstand im Maul: einem Reisbündel, einer Schriftrolle oder einem Schlüssel zur Reiskammer.

Ein häufiges Missverständnis: Inari selbst ist kein Fuchs. Die Kitsune sind Helfer und Mittler, nicht die Gottheit. In der Volksüberlieferung werden sie als unsichtbare weiße Füchse beschrieben, die Byakkosan.

Fuchsstatue mit Schlüssel im Maul am Fushimi Inari-Taisha

Warum alles zinnoberrot ist

Die Farbe shuiro gilt im Shinto als Schutzfarbe gegen böse Einflüsse und steht für Lebenskraft. Gewonnen wurde das Pigment traditionell aus Zinnober, einem quecksilberhaltigen Mineral, das nebenbei das Holz konserviert. Am Fushimi Inari kommt die Bedeutung reicher Ernten dazu.

Reihe zinnoberroter Gebäude am Fushimi Inari-Taisha

Die Torii und was sie kosten

Rund 10.000 Tore ziehen sich über die Wege des Bergs. Sie markieren den Übergang von der weltlichen in die spirituelle Sphäre und sind zugleich Dankesgaben. Direkt hinter der Haupthalle beginnt der bekannteste Abschnitt, die Senbon Torii, die sich kurz in zwei parallele Wege teilt, jeweils als Einbahnstraße.

Die Tradition des Stiftens reicht in die Edo-Zeit zurück. Auf der Rückseite jedes Tors stehen Name und Datum des Spenders, viele davon Unternehmen. Günstig ist das nicht: Das kleinste Format beginnt bei etwa 400.000 Yen, große Tore kosten weit über eine Million Yen. Umgerechnet sind das also mehrere tausend Euro, nicht wenige hundert.

Ein Detail am Rande: Beim Aufstieg blickst du auf die unbeschriftete Vorderseite, beim Abstieg auf die Schriftzüge. Deshalb wirken die Fotos in beide Richtungen so unterschiedlich.

Weg durch die roten Torii-Tore am Fushimi Inari-Taisha

Der Aufstieg auf den Berg Inari

Der komplette Rundweg zum Gipfel dauert je nach Tempo 1,5 bis 2,5 Stunden und besteht größtenteils aus Treppen. Unterwegs liegen kleine Nebenschreine, Teehäuser und Getränkeautomaten.

  • Nach etwa 30 bis 45 Minuten erreichst du die Kreuzung Yotsutsuji. Von dort hast du den schönsten Blick über Kyoto, besonders am Abend. Viele kehren hier um, und das ist völlig in Ordnung.
  • Weiter oben wird es deutlich stiller, der Gipfel selbst bietet allerdings keine Aussicht mehr.
  • Am Okusha, kurz hinter den Senbon Torii, steht der Omokaru-ishi. Du stellst eine Frage und hebst den Stein an: Fällt er dir leichter vor als erwartet, gilt das als gutes Zeichen.

Zieh feste Schuhe an, nimm im Sommer Wasser und Mückenschutz mit. Die Anlage ist wegen der vielen Stufen nur eingeschränkt barrierefrei, der Hauptschrein unten ist aber gut erreichbar.

Aussicht von der Kreuzung Yotsutsuji über Kyoto

Essen rund um den Schrein

Die Zufahrtsstraße ist gesäumt von Ständen, und die Spezialitäten passen thematisch perfekt:

  • Inari-zushi: Reis in süßlich eingekochten Tofutaschen. Der Name kommt daher, dass Füchse der Überlieferung nach frittierten Tofu lieben.
  • Kitsune Udon: Nudelsuppe mit genau diesem Tofu, wörtlich Fuchs-Udon.
  • Dazu gegrillte Spieße, Mochi und Matcha-Eis, vor allem am Nachmittag.

Woher der Name Inari stammt

Der Name geht vermutlich auf die Wendung ine ga narimashita zurück, also der Reis ist gewachsen. Belegt ist sie in den Fudoki, alten Berichten über Kultur und Geografie der Provinzen. Es gibt weitere Deutungen, alle kreisen um Wachstum und Wohlstand.

Häufige Fragen zum Fushimi Inari-Taisha

Kostet der Besuch Eintritt? Nein, der Schrein ist kostenlos und rund um die Uhr zugänglich.

Muss ich bis zum Gipfel laufen? Nein. Bis zur Kreuzung Yotsutsuji mit der besten Aussicht brauchst du etwa 30 bis 45 Minuten, das reicht vielen völlig.

Wann ist es am leersten? Vor 8 Uhr morgens und nach 18 Uhr. Tagsüber ist der untere Torii-Abschnitt durchgehend voll.

Ist der Besuch bei Dunkelheit sicher? Der untere Bereich ist beleuchtet und gut besucht. Weiter oben ist es dunkel und einsam, dort nur mit Licht und am besten nicht allein.

Wie lange sollte ich einplanen? Eine Stunde für den unteren Teil, zweieinhalb bis drei Stunden für den kompletten Rundweg mit Pausen.

Fazit

Der Fushimi Inari ist einer der wenigen berühmten Orte Kyotos, die du dir selbst zurückerobern kannst: Er kostet nichts, schließt nie, und wer eine Stunde früher aufsteht als der Rest, geht durch dieselben Tore, nur eben allein. Der Weg nach oben ist anstrengender als gedacht, die Kreuzung Yotsutsuji aber ein lohnendes Ziel auch für Kurzentschlossene.

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