Gifu: Ein unterschätztes Juwel in Japans Mitte
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Viele Reisende kennen in Japans Mitte nur Nagoya. Dabei liegt keine halbe Stunde entfernt Gifu, die Stadt des Reichseinigers Oda Nobunaga, mit einer Burg auf dem Berg, einem der besten Ausblicke des Landes und einer jahrhundertealten Fischereitradition. In diesem Beitrag zeigen wir dir, was sich lohnt und wie du den Tag am besten planst.

Wo Gifu liegt und wie du hinkommst
Die Präfektur Gifu grenzt nördlich an Aichi, wo Nagoya liegt. Der Norden ist gebirgig und dünn besiedelt, der Süden städtisch geprägt. Die Stadt Gifu ist die Präfekturhauptstadt.
- Mit der JR Tokaido-Linie ab Nagoya in etwa 20 Minuten bis JR Gifu.
- Alternativ mit der Meitetsu-Bahn bis Meitetsu Gifu, die beiden Bahnhöfe liegen wenige Gehminuten auseinander.
- Vor Ort fährst du am besten Bus. Zum Gifu-Park sind es rund 15 Minuten ab Bahnhof. Am Informationszentrum im Bahnhof hilft man dir gern bei der Linienwahl.
Oda Nobunaga und die Burg Gifu
Gifu war lange der Sitz von Oda Nobunaga, einem der drei Reichseiniger Japans. Bis heute erinnert vieles an ihn, unter anderem eine goldene Statue direkt vor dem Bahnhof. Sein Wappen begegnet dir in der ganzen Stadt.

Die Burg thront auf dem 329 Meter hohen Kinkazan. Vom Gifu-Park bringt dich eine Seilbahn in etwa vier Minuten hinauf, Hin- und Rückfahrt kosten für Erwachsene rund 1.300 Yen. Zu Fuß geht es auch, im schwülen Sommer würden wir das allerdings niemandem empfehlen.


Von der Bergstation sind es noch zehn Minuten zu Fuß. Der Eintritt in die Burg kostet nur 200 Yen. Innen ist sie als kleines Museum eingerichtet, der eigentliche Grund zu kommen ist aber die Aussicht: Sie gilt als eine der besten aller japanischen Burgen, unter dir liegen die Stadt, der Nagara-Fluss und die Ebene bis Nagoya.
Gut zu wissen: Der heutige Bau stammt aus dem 20. Jahrhundert und ist eine Rekonstruktion, das Original ging bereits vor Jahrhunderten verloren. In den Sommermonaten hat die Burg an vielen Abenden länger geöffnet, dann fährt auch die Seilbahn später, und du siehst die Stadt im Licht.
Auf dem Rückweg liegt ein Restaurant mit Terrasse und Aussicht, ein guter Platz für ein kühles Getränk. Für Familien gibt es oben außerdem ein kleines Gehege, das Squirrel Village.


Ukai: Kormoranfischen auf dem Nagara
Das ist die Besonderheit, für die Gifu in ganz Japan bekannt ist. Beim Ukai fischen Fischer nachts vom Boot aus mit abgerichteten Kormoranen, im Licht lodernder Feuerkörbe. Die Tradition ist rund 1.300 Jahre alt und stand historisch unter dem Schutz der Mächtigen, unter anderem Nobunagas. Die Fischermeister tragen bis heute einen kaiserlichen Titel.
Was du wissen solltest:
- Die Saison läuft in der Regel von Mitte Mai bis Mitte Oktober, gefischt wird an den meisten Abenden.
- Zuschauerboote werden vorab gebucht, an Wochenenden und in den Ferien frühzeitig.
- Vom Ufer aus kannst du kostenlos zusehen, das Erlebnis auf dem Wasser ist aber deutlich eindrucksvoller.
- Bei Hochwasser oder Vollmond kann die Vorstellung ausfallen.
Weitere Ziele im und am Gifu-Park
- Gifu City Museum of History: guter Überblick zur Stadtgeschichte, uns haben besonders die traditionellen Papierschirme gefallen.
- Nawa-Insektenmuseum: eine riesige Sammlung, einige Exemplare sind beeindruckend groß, je nach Empfinden auch etwas zu groß.
- Der Große Buddha von Gifu im Tempel Shoho-ji, wenige Gehminuten entfernt: eine über 13 Meter hohe Figur aus Bambus, Ton, Papier und Lack, gebaut über Jahrzehnte. Ein sehr ungewöhnlicher Anblick und selten besucht.


Handwerk aus Gifu
Die Region ist bekannt für Papierhandwerk: Gifu-Laternen aus dünnem Washi-Papier, handgemachte Papierschirme und das Mino-Washi aus der Nachbarstadt, das zum UNESCO-Kulturerbe gehört. Wer ein Mitbringsel sucht, das nicht aus dem Souvenirregal stammt, wird hier fündig.
Wenn du mehr Zeit hast
Zur Präfektur Gifu gehören auch zwei der bekanntesten Ziele Zentraljapans: die alte Handelsstadt Takayama mit ihrer erhaltenen Altstadt und Shirakawa-go mit den steilen Strohdachhäusern, beides UNESCO-bekannt und per Bus erreichbar. Wer länger bleibt, kann Gifu gut als Auftakt dafür nutzen.
Häufige Fragen zu Gifu
Lohnt sich Gifu als Tagesausflug ab Nagoya? Ja. 20 Minuten Fahrt, und du hast Burg, Park und Museen an einem Tag.
Was kostet der Besuch der Burg? Rund 1.300 Yen für die Seilbahn hin und zurück, dazu 200 Yen Eintritt.
Wann findet das Kormoranfischen statt? Etwa von Mitte Mai bis Mitte Oktober an den meisten Abenden. Boote solltest du vorab buchen.
Ist die Burg ein Original? Nein, es ist eine Rekonstruktion. Der Ausblick ist trotzdem der beste Grund hinaufzufahren.
Wie viel Zeit brauche ich? Ein halber Tag reicht für Burg und Park, mit Ukai am Abend wird ein ganzer Tag daraus.
Fazit
Gifu ist ein echter Geheimtipp für alle, die japanische Geschichte, gute Ausblicke und altes Handwerk mögen, und das nur einen Katzensprung von Nagoya entfernt. Wer den Abend dranhängt und das Kormoranfischen auf dem Nagara erlebt, nimmt ein Bild mit nach Hause, das es sonst kaum noch irgendwo gibt.
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